Das
"Einscheinern" von parallaktischen Montierungen nach der klassischen
Methode von Dipl.-Ing. Wolfgang
Paech
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Ortsfeste und/oder transportable parallaktische Montierung
müssen - wenn sie für fotografische Aufnahmen oder für die
CCD-Beobachtung eingesetzt werden sollen - eine genau definierte
Aufstellungsposition am Beobachtungsort haben. Dabei muss die Rektaszensions-
oder Polachse der Montierung genau parallel zur Stellung der gedachten
Erdrotationsachse am Beobachtungsort stehen. Das bedeutet, sie muss im Azimut
(Horizontal) exakt in Nord-Südrichtung stehen und ihr Winkel zur
Erdoberfläche muss exakt dem Winkel der geografischen Breite (j)
entsprechen. Dieser Winkel wird dabei auch als Polhöhenwinkel bezeichnet.
Genau zu diesen Punkt des Himmels zeigt die gedachte Rotationsachse der Erde,
dort befindet sich der wahre Himmelspol (gleiches gilt natürlich auch
für den Südhimmel).
Um diesen Punkt am Himmel scheinen sich
alle Sterne in Kreisbögen zu bewegen (die Bewegung ist natürlich nur
die Projektion der Erdrotation). Dicht am nördlichen Himmelspol steht der
helle Polarstern (a Ursa Minor, am südlichen Pol gibt es leider keinen
hellen Stern).
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Der Polarstern hat zur Zeit einen Abstand von einem knappen Grad zum
wahren Himmelspol und beschreibt deshalb innerhalb von 23h 56m 04.1s (wahre
Rotationszeit der Erde) ebenfalls einen kleinen Kreisbogen.
Die Abbildung links demonstriert dies zur Erläuterung.
Fällt man (gedanklich) ein Lot vom Polarstern zum Horizont so markiert der
Punkt geografisch Nord. Hier ist zusätzlich noch das Sternbild
Großer Wagen in vier verschiedenen Stellungen eingezeichnet.
Verlängert
man den Abstand der hinteren beiden Kastensternen um ihre 5fache Länge,
trifft man ziemlich genau auf den Polarstern. Das Kreuz markiert die Stellung
des wahren Himmelspols. |
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Viele moderne Teleskopmontierungen verfügen heute über ein
sogenanntes Polsucherfernrohr, welches die Aufstellung der Montierung stark
vereinfacht, bzw. zeitlich beschleunigt. Für eine exakte Aufstellung
liefert aber auch das Polsucherfernrohr nur einen (allerdings schon recht
genauen) Richtwert. Größere Montierungen oder zum Beispiel
Eigenkonstruktionen verfügen oft über kein Polsucherfernrohr und auch
die bei Amateuren beliebten Schmidt-Cassegrain Teleskope in Gabelmontierungen
haben selten ein Polsucherfernrohr.
Moderne deutsche parallaktische Hightech-Montierungen - wie z.B. die
GTO Montierungen der Serie 400, 600E, 900 und 1200 von Astro Physics haben
zusätzlich zum Polsucherfernrohr in der Steuersoftware entsprechende
Routinen, die es gestatten die Montierung korrekt aufzustellen. Aber auch hier
bleiben Restaufstellungsfehler, die behoben werden müssen.
Was aber tun, wenn man an seiner
Montierung keine dieser Möglichkeiten hat? Der Astronom Scheiner hat
bereits im vergangenen Jahrhundert eine Methode beschrieben, mit der man eine
Montierung korrekt ausrichten kann. Man nennt sie deshalb auch die
Scheiner-Methode oder einfach das "Einscheinern" einer Montierung. Es ist
leider eine zeitraubende Methode aber die genaueste Methode die es gibt. Je
genauer man vorab die Rektaszensionsachse auf den Himmelspol ausrichten kann,
desto schneller funktioniert das Scheinern.
Bei der Scheinerschen Methode werden sowohl Azimut (Nord-Süd
Richtung) als auch die Polhöhe der Rektaszensionsachse präzise
für Ihren Aufstellungsort ermittelt und eingestellt. Nach erfolgter
Justierung steht die Rektaszensionsachse exakt parallel zur Erdrotationsachse
und zeigt auf den wahren Himmelspol.
Einige Erfahrung im Scheinern und die Kenntnis der Bildorientierung
des Teleskops beschleunigt das Verfahren enorm. Wir beschreiben - zusammen mit
einigen erläuternden Graphiken - nun die Methode des Einscheinerns. Dabei
ist die Kenntnis der Bildorientierung, durchs Okular geschaut, von
ausschlaggebender Bedeutung.
Alle Graphiken (die dargestellten
Fadenkreuzokularanblicke) und Texte beziehen sich auf den Anblick in einem
Refraktor in einem gestrecktem Strahlengang, also ohne Zenitprisma,
Zenitspiegel oder andere - die Bildorientierung verändernden -
Zubehörteile. Ein Refraktor, sowie alle Spiegelteleskope mit zwei Spiegeln
(Newton, Schmidt-Cassegrain, Maksutov etc.) drehen das Bild - gegenüber
dem Himmelsanblick mit dem bloßen Auge - um 180 Grad. Das bedeutet, durch
das Okular geschaut, befindet sich Süden nun oben und Westen links
(dementsprechend ist Norden unten und Osten rechts).
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Das Bild zeigt links die normale
Bildorientierung mit dem bloßen Auge und mit dem Amiciprisma, in der
Mitte der Anblick im Refraktor (und allen zwei-Spiegel-Systemen) im gestreckten
Strahlengang und rechts die Bildorientierung wie Mitte, jedoch mit einem
zusätzlichen Zenitprisma im Strahlengang
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Fügt man vor dem Okular ein normales Zenitprisma/spiegel ein,
so steht das Bild aufrecht (Norden oben) aber das Bild ist spiegelverkehrt
(Osten rechts). Das einzige Prisma welches eine Bildorientierung wie der
Anblick mit dem bloßem Auge erzeugt ist das Amiciprisma (Bildmitte, Nord
oben, Süd unten, Ost links und West rechts).
Vermeiden Sie nach
Möglichkeit die Verwendung eines Zenitspiegels/prismas beim Scheinern. Die
Bildorientierung ist abhängig von der Drehung des Prismas/Spiegels in der
Steckhülse. Drehen Sie das Prisma, rotiert Ihr Bildfeld in gleicher
Richtung. Wollen Sie ein Prisma einsetzen, wählen Sie - wenn möglich
- ein Amiciprisma!
Verfahren Sie nun wie im folgenden beschrieben:
- Stellen Sie Ihre
Montierung auf und richten Sie vorab die Rektaszensionsachse so genau wie
möglich auf den Himmelspol. Haben Sie ein Polsucherfernrohr und der
Himmelspol ist von Ihrem Beobachtungsstandort sichtbar, ist das kein Problem.
Für alle anderen Fällen können Sie zur Azimutausrichtung
(Nord-Süd) einen Peilkompass einsetzen (beachten Sie dabei die magnetische
Missweisung, es muss geografisch Nord und nicht magnetisch Nord eingestellt
werden).
- Die meisten
Montierungen verfügen am Polblock der Montierung eine grobe Winkelskala
zur Einstellung des Polhöhenwinkels. In Baumärkten findet man aber
auch Aufsatzwinkelmesser, die es gestatten auf der Rektaszensionsachse
aufgesetzt und auf etwa ±1 Grad abgelesen werden zu können.
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Was Sie nun noch brauchen ist ein stärker (ca. 125fach)
vergrößerndes - am besten beleuchtetes - Fadenkreuzokular. Steht
Ihnen ein beleuchtetes Fadenkreuzokular nicht zur Verfügung, tut es auch
ein einfaches. Stellen Sie Ihren Referenzstern einfach unscharf ein, dann sehen
Sie das Fadenkreuz auch deutlich.
Begonnen wird das Scheinern einer
Montierung immer mit der Azimuteinstellung der Rektaszensionsachse. Die
im folgenden beschriebenen Himmelsrichtungen zum Scheinern sind bewusst
gewählt, an diesen Positionen des Himmels sind Abweichungen am schnellsten
sichtbar. |
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Zu Beginn suchen Sie sich (aus einem Himmelsatlas oder einem der
modernen PC-Planetariumsprogramme) einen hellen Stern, der zu Beginn des
Scheinerns grob in Südrichtung (Meridian) steht und dabei nicht weit vom
Himmelsäquator entfernt sein sollte (Deklination = 0 Grad).
Bringen Sie den Stern in das
Gesichtsfeld des Okulars und orientieren Sie den waagerechten Faden so, dass
der Stern sich während einer Bewegung der Rektaszensionsachse auf ihm (dem
waagerechten Faden) hin- und her bewegt.
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Ist
Ihre Bildorientierung korrekt, so muss der Stern bei abgeschalteter
Nachführung auf dem waagerechten Faden von rechts nach links (Ost - West)
bewegen. Positionieren Sie den Stern nun in die Fadenkreuzmitte und beobachten
Sie seine Bewegung auf dem senkrechten Faden.
Achtung: Sie dürfen ab jetzt -
bis zum Ende des Scheinerns - die Stellung des Fadenkreuzokulars im
Okularauszug nicht mehr verändern!
Die Position des Sternes auf
dem waagerechten Faden des Fadenkreuzes dürfen Sie durch Bewegung der
Rektaszensionsachse jederzeit verstellen. |
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Weicht der Stern nun im Laufe der Zeit auf der senkrechten Achse
nach oben (Süden) ab, so müssen Sie das
Nordende der Rektaszensionsachse nach
Westen verdrehen. |
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Weicht der Stern im Laufe der Zeit auf der senkrechten Achse nach
unten (Norden) ab, so müssen Sie das
Nordende der Rektaszensionsachse im Azimut ein
Stückchen nach Osten korrigieren.
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Diesen Prozess wiederholen Sie so oft, bis sich der
Stern ca. 20 Minuten auf dem senkrechten Faden nicht bewegt. Und noch einmal
zur Erinnerung: die Rektaszensionsachse dürfen Sie jederzeit korrigieren,
nicht aber in Deklination nachstellen (die Abweichung soll ja bestimmt werden).
Zur Azimuteinstellung haben die meisten Montierungen am Nordende der
Rektaszensionsachse meist eine Feineinstellung, bestehend aus zwei Schrauben
die auf einen Lagerbock drücken.
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Nun folgt die Justierung der Polhöhe. Wählen Sie dazu einen
Stern in östlicher Richtung, ca. 30 Grad über dem Horizont.
Zentrieren Sie ihn auf die Fadenkreuzmitte und beobachten Sie seine Abweichung
auf dem senkrechten Faden, der jetzt etwa im Winkel von 45 Grad
steht.
Bei abgeschalteter Nachführung muss sich der Stern diagonal
von rechts oben nach links unten bewegen |
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Weicht der Stern nach links oben
(Süden) ab, so muss die Rektaszensionsachse steiler
(höher) gestellt werden. |
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Weicht der Stern auf dem Faden nach rechts
unten (Nord) ab, so ist die Polhöhe zu verringern (flacher). |
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Auch
hier ist der Prozess so lange zu wiederholen, bis der Stern ca. 20 Minuten ohne
Abweichung in Nord-Süd Richtung auf der Fadenkreuzmitte stehen bleibt.
Wenn Sie jetzt wieder zum Ausgangspunkt zurückgehen und einen Stern in
Südrichtung beobachten, kann es sein, dass Sie das Azimut leicht
korrigieren müssen. Und dann das ganze noch einmal für die
Polhöhe.
Für ortsfeste Montierungen und langbrennweitige
Teleskope kann das Einscheinern schon die ganze Nacht dauern. Für
transportable Instrumente - mit weniger hohen Ansprüchen und einiger
Erfahrung mit dem Scheinern - sollte man nach ca. 60 Minuten fertig
sein.
Für eine rein visuelle Beobachtung spielt die Aufstellung
kaum eine Rolle - es sei denn man möchte die Teilkreise einer Montierung
zur Einstellung von Beobachtungsobjekten nach Rektaszension und Deklination
nutzen. Auch dann muss die Montierung exakt aufgestellt sein.
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Bei der Aufnahme mittels herkömmlichen Film oder mit CCD -
Kameras muss die Montierung exakt aufgestellt sein. Ansonsten rotiert das
Bildfeld um den Leitstern. Das bedeutet, der Leitstern (meist im
Bildmittelpunkt) wird punktförmig, alle Sterne weiter außen in immer
längeren Kreisbögen abgebildet.
Dabei spielt die
Aufnahmebrennweite KEINE Rolle, sondern nur die Größe des
Bildfeldes. Je größer es ist (in scheinbaren Graden), desto
länger - je weiter vom Bildmittelpunkt entfernt - werden die
Kreisbögen. |
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größten Fehler erhält man somit - logischerweise - bei
Mittelformatkameras mit Weitwinkelobjektiven. Für Weitwinkelaufnahmen muss
die Montierung also genauso gut aufgestellt sein, wie für Aufnahmen durch
das Teleskop im Fokus. Setzen Sie Mittelformatkameras ein muss die Aufstellung
besser sein als für Aufnahmen mit Kleinbildkameras. |