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Die 10micron GM2000 QCI Montierung

ein Erfahrungsbericht von Rolf Geissinger/Remseck
Die 10micron GM2000 QCI Montierung

Speziell bei der Astrofotografie kann eine Montierung nie stabil genug gebaut sein. Da ich mit meiner Vorgängermontierung einige nicht lösbare technische Probleme hatte, fiel die Wahl nach langer Suche letztendlich auf die "bella macchina" GM2000 aus Italien. Die Entscheidung war für mich ab dem Moment klar, als ich diese Montierung das erste mal bei meinem Bekannten life in Aktion gesehen habe. Der Hersteller 10micron baut diese unglaublich schönen und sehr präzisen Montierungen in der Nähe von Mailand.

Die GM2000 ist dabei in zwei Versionen erhältlich. Bei der Ultraport-Version können DEC- und R.A-Teil voneinander getrennt werden. Bei der Monolith-Version ist das Achsenkreuz aus einem Stück. Aus Handlingsgründen habe ich mich für die teilbare Version entschieden. Kein Teil ist dann schwerer als 15kg. Sämtliche Teile werden aus gefrästem Aluminium und Edelstahl gefertigt. Als Oberflächenfinish stehen rotes, blaues und silbergraues Eloxal zur Auswahl.

Die Tragkraft der Montierung wird mit 40kg fotografisch angegeben. Der typische periodische Fehler liegt bei garantierten +/- 3 Bogensekunden.




« Die GM2000 auf Centaurus Edelstahl-Stativ

Stativ-Platte:

Der Durchmesser beträgt 230mm. Der Zapfen in der Mitte ragt in das Unterteil der Montierung und dient als Lagerzapfen für die AZ-Einstellung. Mit den serienmäßigen Libellen kann das Stativ einfach und exakt waagerecht aufgestellt werden.

Centaurus-Edelstahlstativ:

Das Eigengewicht liegt bei ca. 25kg und die Tragkraft wird mit 100kg angegeben. Ich habe noch niemals im Leben solch ein stabiles Stativ gesehen. Dieses Stativ ist auch mit Carbon-Rohren erhältlich. Dieses spart dann fast 10kg an Gewicht, ist aber nicht ganz so schwingungssteif wie die Edelstahlvariante.

Der R.A. Teil:

Wie eingangs bereits beschrieben, kann bei der abgebildeten Ultraport-Version der R.A-Block vom DEC-Block einfach abgetrennt werden. Eine umlaufende Ringschwalbenkonstruktion macht dies einfach möglich. Die beiden konisch geschliffenen Zapfen dienen der Zentrierung des aufsetzbaren DEC-Blocks. Wenn die DEC-Einheit einigermaßen lotrecht aufgesetzt wird, ist die passgenaue Adaption überhaupt kein Problem.

Im Bild gut zu erkennen sind die Justageschrauben für AZ und Alt. Alles ist komplett in Alu und Edelstahl gehalten. Die Achsaufnahme der Alt-Justierung kann in vier verschiedenen Positionen montiert werden. Somit können Polhöhen von 22°- 66° eingestellt werden.

Sogar die Rändelknöpfe sind komplett aus Aluminium gefertigt und hinten hohlgebohrt! Der Gewindestift ist aus Edelstahl und hat einen Innensechskant.

Die Motoren-Getriebeeinheiten sind voll in Metall gekapselt. Die AC-Servomotoren überzeugen im Gegensatz zu branchenüblichen Schrittmotoren durch einen absolut gleichmäßigen und ruckfreien Lauf. Die Kraft wird dabei ohne Backlash über einen Zahnriemen auf das Schneckenrad übertragen.

Die GM2000 mit aufgesetzter DE Einheit. Die Gegengewichtsstange kann dabei separat eingesetzt werden. Die Gegengewichtsstange ist auf Passung geschliffen und gleitet spielfrei in die Aufnahme am hinteren Ende des DEC-Blocks. Durch das Bajonett rastet die Achse sehr satt ein und kann mit einer Schraube fixiert werden.
 

Die Gegengewichtsstange:

Die Gegengewichtsstangeist mit 400mm Länge relativ lang. Sie ist komplett aus massivem Edelstahl gefertigt und hat 40mm Durchmesser. Da mich die Gesamtlänge auf meinem engen Balkon etwas gestört hat, habe ich die Stange zweiteilen lassen. Das untere Ende kann bei Bedarf mit einem M16-Gewinde einfach als Verlängerung drangeschraubt werden. Das hat sich als sehr praktisch erwiesen.

Verlängerung der Gegengewichtsstange. Gegengewichte sind in 6 kg und 12 kg erhältlich.

Teleskopmontage:

Die originale Baader-2" Prismenaufnahme (Losmandy kompatibel) war zwar ausreichend stabil, dennoch habe ich diese gegen ein Edel-Modell der Fa. BT-Technologies getauscht. Die Unterseite dieser Klemme habe ich etwas abfräsen lassen, damit noch mehr Auflagefläche zur Verfügung steht.

Zusätzlich habe ich den Schwalbenschwanz einseitig bis auf ein kleines Stück am Rand entfernen lassen. Somit muss die Prismenschiene, an der das schwere Teleskop hängt, nicht komplett eingefädelt werden.

Das Teleskop wird zu 2/3 auf den unteren Schwalbenschwanz aufgesetzt, hochgeklappt und dann ein Stück nach hinten geschoben. Erst auf dem hinteren Stück ist dann der Schwalbenschwanz beidseitig vorhanden, sodass das Teleskop nicht mehr herausklappen kann.

Zum Schluss werden die Klemmbacken mit den Knebelschrauben festgezogen. Die Klemmbacken sind dabei gefedert und nahezu spielfrei auf Passstiften geführt.

A: Schwalbenschwanz vorhanden
B: Schwalbenschwanz entfernt

Die Steuerung:

Im Lieferumfang der GM2000 ist ein eigenständiges Steuergerät mit enthalten. Es besteht aus der eigentlichen Steuerung (rechts im Bild) und einer Handbox mit zweizeiligem Display (im Bild blau). Im Inneren der Steuerung arbeitet ein µ-Prozessor mit Linux als Betriebssystem.

Die Steuerung benötigt ca. 1 min zum Booten des Betriebssystems. Die Elektronik gibt es hierbei in zwei Ausführungen: Entweder als Kasten im einer passenden Tasche (wie im Bild) oder als in die Säule integriertes Zwischenstück zwischen Säule und Montierung. Beides hat Vor- und Nachteile.

Ich habe mich für die "Taschenlösung" entschieden, da ich die empfindliche Elektronik bei Nichtgebrauch nicht im Freien aufbewahren will.

Die GM2000 benötigt zum Goto-Betrieb keinen PC, da die komplette Steuerung in der Elektronik untergebracht ist.

Besonders die Firmware weist einige Highlights auf:
Das Alignement der Montierung (Initialisierung am realen Himmel) kann mit verschiedensten ausgefeilten Algorithmen vorgenommen werden. Besonders empfehlenswert ist die 3-Star Methode. Die Montierung muss zuvor grob auf den Polarstern ausgerichtet werden. Dabei werden mit dem montierten Teleskop nacheinander 3 beliebige Sterne angefahren, die in einer Liste vorgegeben werden. Es stehen dabei immer genügend Referenzsterne zur Auswahl, auch wenn man nur ein sehr eingeschränktes Himmelsareal überblicken kann. Mit den Richtungstasten werden diese Referenzsterne jeweils genau in die Mitte eines Fadenkreuzokulars gebracht und mit "Enter" bestätigt.

Danach kommt der eigentliche geniale Teil: Die Polausrichtung. Nachdem das Alignement stattgefunden hat, kann nun die Montierung OHNE Polsucher und ohne direkte Sicht auf den Polarstern ausgerichtet werden. Im entsprechenden Modus der Steuerung wird einfach ein weiterer Referenzstern aus einer vorgegebenen Liste angewählt und von der Steuerung angefahren. Um diesen Pol-Referenzstern nun wiederum in die Mitte des Fadenkreuzokulares zu bringen, werden einfach die AZ und Alt- Justiereinrichtungen betätigt. Auf diese Weise erfolgt eine ebenso exakte wie einfache Polausrichtung. Das Ergebnis ist verblüffend genau. Ein Polsucher ist definitiv nicht nötig.

Zur Erweiterung der Zielgenauigkeit des Goto's kann man die o.a. Schritte anhand weiterer Referenzsterne verfeinern (Refinement).




Selbstbauhalterung am Stativ für die Elektronikbox. Leider bietet 10micron dahingehend keine Lösung an.
Tuning:

Die Tasten der Handbox sind zwar allesamt beleuchtet aber leider nur wenig erhaben. Es ist deshalb etwas schwierig, die Richtungstasten bei Dunkelheit ohne Hinzusehen zu betätigen. Man fühlt die Tasten leider nur sehr schlecht. Außerdem kann es leicht zu Verwechslungen mit den anderen Tasten kommen.


Aus diesem Grund habe ich eine zusätzliche Handbox gebaut, welche nur die vier Richtungstasten und einen Kipptaster für die Einstellung der Slew-Geschwindigkeit eingebaut hat. An den seitlichen Tastern kann zudem die Richtung der Steuerungstasten vertauscht werden. Das ist während des Betriebes sehr praktisch. Angeschlossen wir die kleine Zusatzhandbox über einen selbst eingebauten 9-pol Sub-D Stecker. Die Tastenanschlüsse der Folientastatur können leicht mit einem Durchgangsprüfer herausgemessen werden. Die Tasten der Zusatzhandbox werden einfach parallel zu den Tasten in der Folientastatur angeschlossen.


» Kleiner Schönheitsfehler: Die Steckergehäuse der Motorenkabel (15-pol Sub-D) sind original aus billigem Kunststoff. Es gibt im Elektronikfachhandel jedoch Steckergehäuse aus Metalldruckguss, welche ganz einfach zu ersetzen sind. Es sind hierfür keine Lötarbeiten nötig.

Der originale Aufnahmezapfen hatte in der Bohrung der R.A-Einheit etwas zuviel Spiel (wenige 1/10mm). Es ist eine einfache M8-Inbusschraube mit angefastem Schraubenkopf.. Um die Genauigkeit beim Wiederaufsetzen der R.A.- Einheit zu erhöhen, habe ich mir einen exakt passenden Edelstahlzapfen drehen lassen.


Säulenverlängerung:

Mein Sternfreund Kurt hat mir diese wunderbare Säulenverlängerung aus einem dicken Aluminiumrohr gedreht. Es ist in der Praxis viel einfacher, die Verlängerung aufzusetzen, als die Stativbeine auszuziehen und die Montierung neu zu nivellieren. Die zusätzlich gewonnene Höhe durch die Verlängerung beträgt 285mm. Die Wandstärke ist 15mm, was zur außerordentlichen Stabilität beiträgt. Besonders bei der visuellen Nutzung mit einem Refraktor in Zenitnähe ist diese Verlängerung sehr praktisch.


An der Steuerelektronik können folgende Anschlüsse kontaktiert werden:
  • R.A- und DEC-Motoren
  • Autoguider
  • serielle Schnittstelle zum PC (Steuerung über viele Planetariumsprogramme möglich)
  • LAN-Schnittstelle (Ethernet zum Router oder PC)
  • GPS-Modul (sehr praktisch für exakte Position und Zeit)
  • Handbox - Stromversorgung (24V)
  • externer Kontakt zum Ein- bzw. Ausschalten der Steuerung
Mein persönliches Fazit:

Wer die ultimative und kompromisslose Montierung sucht, ist mit der GM2000 von 10micron zur Zeit bestens bedient. Der mechanische Aufbau, die gesamte Konzeption, Software, Stabilität und Laufgenauigkeit setzen Maßstäbe. Bis auf die o.a. Kleinigkeiten könnte ich mir keine weiteren Verbesserungen an dieser hervorragenden Montierung vorstellen. Alleine das edle Finish in eloxiertem Rot ist eine Augenweide.



Seit ich die GM2000 fotografisch in Betrieb habe, stieg die Verwendungsrate meiner Rohbilder auf 100% an! Bei guter Einnordung konnte ich 10min ohne Guiding belichten, ohne irgendwelche Sternverzerrungen zu erhalten. (1000 mm Brennweite)

Einziger Wermutstropfen ist der astronomisch hohe Preis - allerdings ist diese italienische Schönheit meiner Meinung nach jeden Cent wert!

Wenn es so etwas überhaupt gibt, kann die GM2000 durchaus als Endlösung angesehen werden!

Die technischen Daten:
  • Hersteller: 10micron COMEC Technology
  • Bezeichnung: GM2000 QCI Ultraport
  • Gewicht DEC-Einheit: 13.5kg
  • Gewicht R.A.-Einheit: 15.1kg
  • Gesamtgewicht: 28.6kg (nur Achsenkreuz ohne Gegengewichte)
  • Belastung: 50kg (max. 40kg fotografisch empfohlen)
  • Gegengewichtsstange: Durchmesser 40mm, 4kg
  • Gegengewichte: 6 kg und 12 kg erhältlich
  • Genauigkeit: +/- 3 " (PEC möglich)
  • Achsen: 50mm, Stahl
  • Schneckenräder: Basis aus Aluminium, Zahnkranz aus Bronze, Durchmesser 172mm
  • Schnecke: 24mm, Stahl
  • Guidinggeschwindigkeit: 0.5x (fest eingestellt)
  • Goto-Geschwindigkeit: bis 8° / sec
  • Motoren: A.C. Servobrushless F.I.S. (bürstenlose Servomotoren)
  • einstellbare Polhöhe: 22° - 66°
  • Polsucher: optional erhältlich aber nicht nötig
  • GPS: optionales GPS-Modul erhältlich
  • Stativ: Centaurus Edelstahl (25kg) oder Carbon (ca. 16kg), Belastung 100kg
  • Stromversorgung: 24V / max. 1.7A (0.6 A bei siderischer Nachführung)
  • Transportkoffer: optional erhältlich

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