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Binokularansätze im Test
Die kleineren 1¼" Binokularansätze

 

Binokularansätze im Test
Teil 2: Test und Bewertung aktueller Binokularansätze

Autor: Joachim Biefang,
publiziert in Sterne + Weltraum, September 1999, Seite 782 ff

Allgemeines

Die kleineren 1¼" Binokularansätze

1¼" Großfeld Binokularansätze

Die kleineren 1 ".25-Binokularansätze
Binokularansätze mit weniger als 28 mm Durchtrittsöffnung kommen mit kleineren Prismen aus und können daher, ohne zu vignettieren, 1".25-Okulare nur bis zu einer gewissen Brennweite verkraften. Die kleinsten Vergrößerungsstufen mit großen Gesichtsfeldern fallen dadurch meist weg. In allen anderen Bereichen sind diese Binos den Großfeldbinokularansätzen ebenbürtig.

Das 60Grad-Bino von Baader
Dieser Binokularansatz von Baader (Abb. 1) hat die kleinste Eintrittsöffnung, aber auch den kürzesten optischen Weg.

Abb. 1. Der 60 Grad-Binokularansatz der Firma Baader mit 19 mm Öffnung.

Da er bereits in sich den Strahlengang um 60 Grad nach oben lenkt, kommt er ohne Zenitprisma aus.
Dieses 60 Grad-Bino dürfte also vom benötigten Lichtweg her an fast jedes Teleskop anschließbar sein. Als Barlowlinsen lassen sich die für das Großfeldbino von Baader angebotenen glaswegkorrigierenden 1.25x, 1.7x und 2.6x-Barlowlinsen verwenden. Sie haben sich bei den im Test zur Verwendung gekommenen Öffnungsverhältnissen auch mit diesem 60 Grad-Bino als verträglich erwiesen. Diese vom Hersteller als Glaswegkorrektoren bezeichneten Linsensysteme werden im Zusammenhang mit dem Großfeldbino noch näher beschrieben.
Die optische Bauform dieses 60 Grad-Binos weicht im übrigen von der in Teil 1 skizzierten gradsichtigen Form eines Binokularansatzes ab, lässt aber die Bildorientierung gleichfalls unverändert. Hier wird der Augenabstand nicht wie bei einem Feldstecher durch Verwinkeln von Tubushälften eingestellt, sondern die Okularstutzen sind seitlich verschiebbar.

Die Okulare werden wie bei allen Binos von Baader durch eine seitliche Klemmung in den Okularstutzen gehalten. Die Eintrittsöffnung von 19.5 mm liegt 84 mm vor dem Brennpunkt und erlaubt die Verwendung von Okularen mit einer Gesichtsfeldblende von ca. maximal 22 mm, ohne zu vignettieren. Dies entspricht z. B. normalen Plössl-Okularen mit maximal 25 mm Brennweite. Bei Weitwinkelokularen würde die maximal mögliche Brennweite entsprechend kürzer ausfallen. Bei Verwendung am Teleskop unterliegen Binos mit kleinen Prismen bzw. kleinen Eintrittsöffnungen also Einschränkungen in Bezug auf die großen Gesichtsfelder bei kleinen Vergrößerungen.

Zur Kollimation des zur Verfügung gestellten 60 Grad-Binos von Baader gab es im Test keine Beanstandungen. Auch die Ausrichtung der Prismen im Strahlengang erschien einwandfrei.

Der Bino besitzt einen 2"-Anschluss. Hier, wie auch für alle anderen vorgestellten Binokularansätze, steht eine große Anzahl von Adaptern zur Verfügung, so das es an Anschlussmöglichkeiten am Teleskop nicht mangeln wird.


Das 22-mm-Baader-Bino
Dieser Binokularansatz (Abb. 2) stammt direkt aus dem Mikroskopbereich und benötigt von Haus aus einen relativgroßen optischen Weg. Im Mikroskopbereich spielte dies keine so große Rolle. Bei einer Neukonzeption könnte auf dem Weg vorn letzten Prisma bis zum Ende des Okularstutzens ein wenig Laufweg eingespart werden.

Das Gehäuse dieses Binos aus Aluminiumguss ist sehr solide und gut gearbeitet und wird in den meisten Fällen mit dem praktischen Schnellwechselanschluss benutzt werden.

Die Justierung der Prismen und die Kollimation der beiden Strahlengänge erwiesen sich bei dem getesteten Exemplar als einwandfrei.

Auch bei diesem Bino lassen sich die für das Großfeldbino angebotenen glaswegkorrigierenden 1.25x, 1.7x und 2.6x Bar lowlinsen von Baader verwenden. Die dadurch erzielte Brennweitenverlängerung wird in vielen Fällen vom benötigten Lichtweg her beim Anschluss an ein Teleskop helfen. insbesondere dann, wenn auch noch ein Zenitprisma oder Zenitspiegel dem Bino vorgeschaltet ist, wird der verfügbare Anschlussweg sonst zu knapp.

Außerdem ist, wie bereits in Teil 1 erwähnt wurde, bei kurzen Teleskopöffnungsverhältnissen für die Binos eine glaswegkorrigierende Maßnahme durch eine Barlowlinse zumindest bei höheren Vergrößerungen zu empfehlen.

Aufgrund der Öffnung von 22 mm und des optischen Weges von 118 mm sind bei diesem Binokularansatz (ohne Barlowlinse) nur Teleskopöffnungsverhältnisse größer als 118 mm/22 mm = 5.4 ohne Vignettierung möglich.

Ebenso sind aufgrund der Öffnung von 22 mm Okulare mit Gesichtsfeldblenden von maximal ca. 25 mm möglich. Für normale Plössl-Okulare bedeutet dies die Verwendung von okularbrennweiten bis zu maximal 28 mm, bei Weitwinkelokularen kommen entsprechend kürzere Okularbrennweiten zum Einsatz. Auch bei einem Bino mit 22 mm Durchlass liegt damit eine gewisse Einschränkung bezüglich der Beobachtung bei kleinen Vergrößerungen, die ja das größte Gesichtsfeld erzeugen, vor. Dafür ist jedoch der Anschaffungspreis geringer als bei einem Großfeldbino.



Abb. 2: Der Binokularansatz der Firma Baader mit 22 mm Öffnung.

Die Prismen dieses Binos sind einfach vergütet und zeigen einen recht hellen bläulichen Reflex. Die Lichttransmission dürfte damit bei vier Oberflächen in jedem Strahlengang um ein paar Prozent geringer als bei einer Multivergütung liegen.

Einfach vergütete Oberflächen könnten zudem bei sehr hellen Objekten im Gesichtsfeld, z. B. bei Venus, Mond und Jupiter schwache Reflexe zeigen. Dies ist im Test jedoch nicht weiter störend aufgefallen.
Mit den eigentlichen Geisterbildern, von denen man mitunter in der Diskussion um Binokularansätze hört, hat dies aber nichts zu tun. Bei allen Binos, die ich bisher gesehen habe, erscheinen manchmal von hellen Objekten außerhalb des eigentlichen Gesichtsfeldes lichtschwächere Abbilder. Dies tritt jedoch nur bei einem ganz bestimmten Winkel und Abstand zum Gesichtsfeld auf Diese Geisterbilder gehen offenbar auf eine Mehrfachspiegelung in einem der Rhombusprismen zurück und scheinen sich technisch nicht vermeiden zu lassen. Dieses Phänomen tritt jedoch nach meiner Erfahrung recht selten auf, so daß man damit gut leben kann.

Das 22 mm BW-Optik-Bino
Dieses BW-Optik-Bino (Abb. 3) besitzt das gleiche Grundgehäuse wie der 22 mm Baader Bino. Dafür trifft für die maximal möglichen Okularbrennweiten, das kleinstmögliche Teleskopöffnungsverhältnis, den optischen Weg und die Anschlussmöglichkeiten das gleiche zu, wie für das oben beschriebene 22 mm-Baader-Bino.

Das BW-Optik-Bino ist mit multivergüteten Prismen ausgestattet, was eine bessere Lichttransmission zur Folge hat. Sie dürfte knapp über 90% liegen.

Die modernen Okularstutzen greifen das Okular nach dem Bohrfutterprinzip von allen Seiten, was einer Dezentrierung gezielt entgegenwirkt. Obgleich alle anderen seitlichen Klemmungen im Test auch problemlos arbeiteten, ist der erhöhte Fertigungsaufwand dieser ringsum fassenden Okularstutzen zu würdigen.


Abb. 3: Der Binokularansatz der Firma BW- Optik mit 22 mm Öffnung.

Die Kollimation der beiden Strahlengänge und die Justierung der Prismen erwies sich bei dem getesteten Exemplar als einwandfrei.

Insgesamt zeichnet sich das BW-Optik- Bino durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus.

Von BW-Optik wird dazu eine passende, preisgünstige 2.4x-Barlowlinse mit guter Abbildungsleistung angeboten. Dieses verkittete Duplett ist einfach vergütet (rot-brauner Reflex). Die Linsenkanten sind nicht geschwärzt, jedoch aus dem Strahlengang heraus auch nicht einsehbar.



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