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Binokularansätze im Test
1¼" Großfeld Binokularansätze

 

Binokularansätze im Test
Teil 2: Test und Bewertung aktueller Binokularansätze

Autor: Joachim Biefang,
publiziert in Sterne + Weltraum, September 1999, Seite 782 ff

Allgemeines

Die kleineren 1¼" Binokularansätze

1¼" Großfeld Binokularansätze

1."25-Großfeld-Binokularansätze
Nachdem die Binos mit kleineren Öffnungen dargestellt worden sind, will ich nun die Großfeld -Binokularansätze näher vorstellen. Sie verfügen über Durchtrittsöffnungen von 28 mm und werden damit auch den langbrennweitigen 1.25"- Okularen mit Gesichtsfeldblenden von bis zu 30 mm gerecht - daher also ihre Bezeichnung als Großfeld-Binokularansätze. Sie erlauben z.B. auch die Verwendung von 35-mm-Plössl-Okularen oder 25-mm-Weitwinkel-Okularen, die das bei 1."25 maximal mögliche Gesichtsfeld voll und ganz ausschöpfen.

Das 28-mm-ATM-Bino
Der ATM-Binokularansatz (Abb. 4) japanischer Herstellung war vor acht Jahren für ca. 1100 DM auf dem Markt. Da ich mit jeder Einzelheit seines Innenlebens seit Jahren vertraut bin, diente er bei diesem Test als Referenzgerät. Er ist mit multivergüteten Prismen guter Qualität ausgestattet, wurde aber oft in schlechtem Justierzustand geliefert und bald nicht mehr angeboten. Der Grund für diese Probleme lag offenbar darin, daß die Prismen für das ATM-Bino mit 28 mm Durchlass auch nur 28 mm breit sind und es keine eigentliche Auflage für die Prismen gibt.

Abb. 4: Der Großfeldbinokularansatz der Firma ATM mit 28 mm Öffnung

Sie werden daher nur seitlich durch verlackte Justierschrauben gehalten. Die Justierung der Prismen ist in diesem Fall etwas schwierig und offensichtlich bei Massenproduktion nicht so gut beherrschbar.

Dadurch, das ich Prismen und Okularstutzen mit viel Mühe neu justiert habe, bin ich dann doch zu einem brauchbaren Bino gekommen. Für den, der dieses Bino gebraucht bekommt oder bekommen hat, sei auch die zugehörige, recht gute 1.7x Barlowlinse erwähnt. Sie ist multivergütet und hat erfreulicherweise eine Öffnung von 26 mm.
Das 28 - mm- "Binovue" von Televue
Es handelt sich bei dem Televue-Bino (Abb. 5) um eine Wiederauflage des japanischen ATM-Binos. Der Grundkörper mit T2-Anschlug besteht aus Aluminiumguss, die seitlichen Abdeckungen sind aus Kunststoff. Die Okularstutzen fassen das Okular ringsum nach dem vorteilhaften Bohrfutter-Prinzip. Die Prismen sind multivergütet. Der optische Lichtweg ist mit 129.5 mm etwas lang. Der Weg vom letzten Prisma bis zum Okular könnte um ca. 20 mm kürzer gestaltet werden.

Die zum Bino passend angebotene 2x- Barlowlinse ist neu dazugekommen. Die Abbildungsleistung dieses multivergüteten Systems (vier Linsen in zwei Gruppen) ist gut. Die Linsenkanten sind geschwärzt. Diese Barlowlinse ist mit einem 1.25"-Einsteckstutzen noch ein wenig weiter vom Bino abgerückt (s. Abb. 5). Dadurch gleicht sie den vom Binovue benötigten Lichtweg komplett aus und macht ihn zum normalen Okular nahezu homofokal. Die Einlassöffnung der Barlowlinse beträgt 17 mm, könnte nach meinem Empfinden jedoch etwas größer sein.


Abb. 5: Der Großfeldbinokularansatz der Firma Televue mit 28 mm Öffnung

Bei einer dreifachen Stichprobe des Binovue deuteten weit auseinanderliegende Prismenreflexe auf bei dieser Bauart schon früher aufgetretene Ungenauigkeiten in der Prismenpositionierung. Die Länge der Lichtwege in beiden Strahlengängen wich dadurch bis zu 1 mm voneinander ab. Die Okulare waren in diesem Fall nicht gleichzeitig scharfzustellen und es musste ein Okular durch Herausziehen nachfokussiert werden.

Die Kollimation der beiden Strahlengänge ist jedoch von der Prismenpositionierung weitgehend unabhängig, da sie primär durch die Justierung der Okularstutzen bewerkstelligt wird. Der Preis des Televue-Binos von 2950 DM schließt die zugehörige Barlowlinse mit ein, liegt aber vergleichsweise hoch.
Bizarro 85 von Televue
Für den Test wurde der oben besprochene Televue-Binokularansatz zusätzlich in einem sehr handlich gepackten Set mit einem kurzen 85-mm-APQ-Refraktor, 2"- Zenitspiegel und einer großen Korrekturlinse vorgestellt. Optisch ist diese Kombination recht interessant. Für den Bizarro 85, f = 600 mm, N = 7.0, ist der standardmäßige Televue 85 speziell gekürzt worden, um die Weglänge für Zenitspiegel und Bino zu erlauben, so daß binokular bei der Mindestvergrößerung von 13x ein Gesichtsfeld von 2.6 Grad erreicht wird. Die spezielle große Korrekturlinse (1:1) dient sowohl der Feldkorrektur, als auch als Glaswegkorrektor für das Bino. Bis zum Rand hin gibt dies ein sehr sauberes Bild.

Dieses Konzept ist als Alternative zu Großfeldstechern gedacht und wird die meisten von ihnen in Sachen Bildqualität bei niedrigen und höheren Vergrößerungen in den Schatten stellen können. Nachteilig im Vergleich mit Großfeldstechern ist jedoch, daß das Bild aufgrund des Zenitspiegels zwar aufrecht steht, aber Rechts-Links-Vertauschung aufweist. Ein 90 Grad - Dachkantprisma statt Zenitspiegel wäre für diesen Zweck dienlicher und würde diese kreative Idee mit einem richtig orientierten Bild abrunden.

Der Preis von 8.250 DM für dieses Set Bizarro 85 (APQ-Refraktor+Zenitspiegel+Korrekturlinse+Binokularansatz) liegt recht hoch.


Das 28-mm-Großfeld-Bino von Baader
Dieses Großfeldbino von Baader (Abb. 6) ist seit 1992 auf dem Markt und geht auf Zeiss-Jena zurück.

Der Grundkörper aus Aluminiumguss mit Schnellwechselanschlug ist sehr solide und sauber gearbeitet. Hervorzuheben ist dabei die gelungene Minimierung des optischen Lichtweges auf erfreuliche 112 mm. Ebenso ist die Dimensionierung der Prismen mit 30 mm bei einem Durchlass von 28 mm konstruktiv sehr sinnvoll.

Die exzellente Multivergütung der Prismen verführte zu einer neugierigen Nachfrage. Die Auskunft der Firma Baader dazu lautet: 7 lagige Beschichtung, 0.2% Lichtverlust pro Grenzfläche. Die Lichttransmission dürfte daher bei ca. 92 % liegen.

Die Okularstutzen verfügen über eine seitliche Klemmung. (Dazu ein Hinweis: bitte keine nicht der Norm entsprechenden Okularhülsen länger als 32 mm benutzen. Sie könnten auf das linke Prisma aufsetzen und es beschädigen.

Die Kollimation der Strahlengänge und die Justierung der Prismen erwies sich bei dem getesteten Exemplar als einwandfrei.

In fast allen Aspekten ist dieses Großfeldbino vorbildlich gearbeitet und konzipiert, so das es eine Freude ist, solch ein schönes Stück zu seinem Teleskopzubehör zählen zu können. Zudem zeichnet sich dieses Großfeldbino auch durch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis aus.

Zu diesem Binokularansatz werden drei so bezeichnete Glaswegkorrektoren angeboten, die durch 1.25x, 1.7x und 2.6x Brennweitenverlängerung den Anschluss an beinahe jedes Teleskop möglich machen. Bei diesen Glaswegkorrektoren der Firma Baader handelt es sich um Barlowlinsen mit für das Bino geeigneter Schnittweite, die zudem in ihrer rechnerischen Konzeption darauf ausgelegt sind, dem Glaswegfehler des Binos entgegenzuwirken.

Es ist in der Praxis natürlich nicht möglich, wie es die Theorie verlangen würde, für jedes Teleskopöffnungsverhältnis einen speziellen Glaswegkorrektor anzubieten. Um möglichst universal einsetzbar zu sein, sind diese glaswegkorrigierenden Barlow-Linsen daher vorsichtig für ein Öffnungsverhältnis von f:7 und zudem für 134 mm Glasweg (Binokularansatz + Zenitprisrna) gerechnet. Bei anderen Öffnungsverhältnissen und Glaswegen wird die Glaswegkorrektur einen mehr oder weniger großen Beitrag zur Behebung des Glaswegfehlers leisten.


Abb. 6: Der Großfeldbinokularansatz der Firma Baader mit 28 mm Öffnung

Bei dem 1.7x -und vor allem bei dem 2.6x-Glaswegkorrektor dürfte es sowieso weitgehend die eigentliche Brennweitenverlängerung zu einem schlanken Strahlengang sein, die den Glaswegfehler behebt.

Bei dem 1.25x-Glaswegkorrektor wird man bereits in größerem Maße von seiner eingerechneten Glaswegkorrektur profitieren, denn nicht jedes System liegt dann schon über dem schlanken Öffnungsverhältnis f:10, wo auch bei höheren Vergrößerungen der Glaswegfehler des Binos unkritisch wird.

Dem 1.25x-Glaswegkorrektor kommt vor allem Bedeutung zu, da er niedrige Vergrößerungen mit dem damit verbundenen großen Gesichtsfeld zulässt. Diese drei glaswegkorrigierenden Barlowlinsen wurden bei Öffnungsverhältnis f/5.8 und f/6.4 zusammen mit allen im Test vorgestellten Binos getestet und zeigten eine gute Abbildungsleistung.

Gegenüber den bei den einzelnen Binos leicht unterschiedlichen Glasweglängen und Schnittweiten zeigten sie sich recht tolerant. Auch die unterschiedliche Länge des Glasweges mit und ohne vorgeschaltetem Zenitprisma war zu verkraften.

Nur bei dem unüblichen Einsatz der Barlowlinse noch vor dem Zenitprisma zeigte sich zumindest bei dem 1.25x- Glaswegkorrektor, daß diese erhöhte Schnittweite (Abstand Barlow-Linse - Brennpunkt) nicht verkraftet wurde. Dies wäre auch zu erwarten gewesen, denn die glaswegkorrigierenden Barlowlinsen sind an sich für den Einsatz direkt vor dem Bino gerechnet.

Diese Notwendigkeit, den Vergrößerungsfaktor der Barlow-Linse durch weiteres Abrücken vom Brennpunkt zu erhöhen, besteht zudem nicht mehr, da die drei angebotenen Glaswegkorrektoren alle erforderlichen Vergrößerungsstufen gut abdecken. Bei dem 1.25x- und dem 1.7x- Glaswegkorrektor handelt es sich um ein verkittetes Duplett mit geschwärzten Linsenkanten.

Bei dem 1.25x-Glaswegkorrektor liegt eine Multivergütung, bei dem 1.7x- Glaswegkorrektor nur eine Einfachvergütung vor.

Der neue 2.6x-Glaswegkorrektor besteht aus einem zweilinsigen Duplett mit Luftspalt. Die Linsenkanten sind ebenfalls geschwärzt und auf allen optischen Flächen liegt eine Multivergütung vor.

Dieses Bemühen der Firma Baader, zu einem Binokularansatz einen Satz von gleich drei passenden Barlow-Linsen, 1.25x, 1.7x und 2.6x, die zudem glaswegkorrigierend gerechnet sind, anzubieten, ist sehr zu begrüßen. Dies erlaubt den Anschluss von Binokularansätzen an nahezu jedes Teleskop und reduziert die Zahl der benötigten Okularpaare auf kostensparende Weise.


Nachdem hiermit alle Binokularansätze vorgestellt sind, möchte ich noch kurz die Gelegenheit für eine Empfehlung an alle Hersteller nutzen. Im Laufe der Jahre kann an den Ein- und Austrittsöffnungen Staub ins Innere der Binokularansätze auf sonst unzugängliche Prismenflächen dringen. Es dürfte herstellungsmäßig nicht sehr schwierig sein, die Prismen an den Ein- und Austrittsöffnungen z. B. mit einem Moosgummiring gegen das Gehäuse abzudichten und damit dieses wertvolle Zubehörteil nahezu perfekt zu machen.


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