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Das Siberia 110 - ein bemerkenswertes Spiegelteleskop für den Anfänger
Allgemeines Technische Daten Technische Merkmale
Zubehör Beobachtungspraxis Praktische Beobachtungen

Praktische Beobachtungen

Optische Prüfung:
Man muss die russischen Konstrukteure an dieser Stelle einfach loben, denn sie verstehen es, für wenig Geld erstklassige Optiken anzufertigen: Die Beugungsbilder von außerfokalen Sternscheibchen erscheinen außerhalb der Mittenabschattung des Fangspiegels wie aus dem Lehrbuch. Sie sind kreisrund, mit gleichmäßig scharf begrenzten Beugungsringen bei hohem Kontrast.

Schon vor einem Jahr begeisterte ich mich an der optischen Qualität des kleinen Siberia 80 M, dieses 110er Modell steht dem nicht nach und liefert ein erstklassiges Bild, das eine beugungsbegrenzte Auflösung bietet!

Ich kenne kein vergleichbares Fernrohr in der Einsteigerklasse, das mir diese, auf hohem Niveau stehende, Abbildung liefert.

Doppelsterne:
Zahlreiche erfolgreiche Doppelsterntrennungen bestätigten mir, daß die Optik des Siberia 110 selbst höheren Ansprüchen genügt. An einem Abend im März richtete ich den Newton sowie einen 110/750 mm-Zeiss-Refraktor mit einem C-Objektiv auf den Doppelstern eta Ori (3.8 mag/4.8 mag, Abstand: 1".5). Bei annähernd gleichen Vergrösserungen (Siberia: f = 15 mm Dreifach Barlow-Linse, Vergrößerung 162 X , Zeiss:f = 10 mm, Zweifache Barlowlinse, Vergrößerung 150 X + Gelbfilter zur Unterdrückung des sekundären Spektrums) überraschte das Ergebnis im direkten Vergleich: Es konnten keine nennenswerten Unterschiede bei der Auflösung der Doppelstern-Komponenten festgestellt werden. In beiden Fernrohren erschienen die Sterne einwandfrei getrennt mit dunklem Zwischenraum.

Im Prinzip war dieses Ergebnis für beide Vierzöller nicht überraschend, aber daß dies von beiden in gleicher perfekter Manier bewältigt wurde, überraschte doch zu Gunsten des Newton-Teleskops, da ich durch die Obstruktion (Fangspiegel) ein reduziertes Auflösungsvermögen erwartet hatte. Lediglich im Kontrastverhalten und in der feineren Abbildung der Sternscheibchen konnte ein Plus zu Gunsten des Zeiss-Refraktors verzeichnet werden.

Mond und Planeten:
Die leicht getönte Wiedergabe des kalkweißen Mondes ist durch die fehlende Vergütung der russischen Standardokulare begründet. Abgesehen von dieser fertigungsbedingten Eigenart beeindruckte das Mondbild durch hohe Brillanz und Kontrast. Bei höheren Vergrößerungen (z. B. 162fach) konnten erstaunliche Einzelheiten erkannt werden (z. B. die Triesnecker-Rillen, feinaufgelöste, mehrteilige Zentralberge im Krater Theophilus etc.), so daß vor allem der Anfänger Jahre brauchen wird, um das Leistungsvermögen des Newtons voll auszuschöpfen. Etwas negativ sei anzumerken, daß einige Reflexe die Abbildung des Mondes störten. Dies nervt vor allem dann, wenn die Mondscheibe außerhalb der optischen Achse ausgerichtet ist. Wie schon beim Siberia 80 M kritisiert, führe ich diesen Umstand auf die fehlende Vergütung der Okularlinsen zurück. Es wäre schön, wenn man hier in Zukunft durch eine Überarbeitung der Okulare Abhilfe schaffen könnte.

Während der diesjährigen Oppositionsphasen von Mars und Jupiter zeigte das Siberla 110 viele Einzelheiten auf der Oberfläche des roten Planeten (z. B. Polkappe, Große Syrte, Sinus Meridani, Hellas, Olympus Mons (!) mit Wolken), sowie zahlreiche atmosphärische Strukturen auf unserem Riesenplaneten (Knoten, Bänder, Verdikkungen in den Wolkenstreifen). Selbst Verfinsterungen der Jupitermonde oder Schattenvorübergänge stellten den Newton vor keine großen Probleme.


Kometen:
Zu Beginn der Testphase war natürlich der wunderschöne Jahrhundertkomet Hale-Bopp. das begehrte Beobachtungsobjekt. Mit dem 25 mm-Okular (V = 32 x) ausgerüstet, zeigte der Kometenkern in beeindruckender Schönheit seine filigrane Struktur. Besonders die feinen, kreisförmigen Staubringe um den Kern des Kometen blieben mir in Erinnerung. Sie konnten vor allem mit dem 15 mm-Okular (V= 54 x) deutlich erkannt werden.

Deep-Sky-Objekte:
Das Siberia 110 ist ein Gerät für Spaziergänge durch die Milchstraße. Als lichtstarkes (Öffnung 1: 7.3) Spiegelteleskop bietet es dazu ideale Voraussetzungen. In zahlreichen Nächten konnte ich eine große Zahl von Messier-Objekten beobachten. Hier bietet vor allem das langbrennweitige Okular f=25 mm) mit 32facher Vergrößerung herrliche Einblicke in die faszinierende Weit der Sternhaufen und Nebel. Neben den bekannten Standardobjekten wie den Kugelsternhaufen M 13 (herrlich) im Herkules oder dem Hantelnebel M 27 im Füchslein, konnten auch die für einen Anfänger schwierigeren Objekte (z. B. M 81, M 82 im Großen Bären, M 65, M 66 im Löwen) ohne größere Anstrengungen gefunden werden.

Es macht Spaß, mit diesem Newtonteleskop, abseits von störenden Lichtquellen, auf Entdekkungsreise zu gehen. Der Anfänger lernt, seine kosmische Umgebung zu entdecken und steht staunend den Schönheiten des Weltalls gegenüber, die ihm dieses Teleskop präsentiert.

Zusammenfassung:
Das Siberia 110 ist ein beeindruckendes Instrument mit kleinen, verzeihbaren Schwächen. Für den Anfänger ist es maßgeschneidert, da ihm von Anfang an ein komplettes Fernrohr mit allem Zubehör zur Verfügung steht.

Viele Klemmungen oder Kupplungen sind nachstellbar und gewähren dem Benutzer die Möglichkeit, individuelle Justierungen vorzunehmen. Dabei handelt es sich um ein sehr robustes Instrument, das auch Fehlgriffe eines Anfängers verzeiht.

Die Firma Baader-Planetarium bietet das Siberia 110 in zwei Versionen an: Die Ausführung ohne Motor (also Handnachführung in beiden Achsen) ist für 799.- DM zu haben, während die hier besprochene Version (mit Motor) für 1099.- DM angeboten wird. Berücksichtigt man das zahlreiche und praxistaugliche Zubehör (plus 150 seitigem Beobachtungshandbuch), kann man nur von einem konkurrenzlosen Angebot für den Einsteiger sprechen, wobei vor allem die erstklassige Optik begeistert.

Aktueller Nachtrag:
Ab sofort werden die Siberia-Teleskope mit vergüteten Okularen ausgeliefert. Da der Holzkoffer aus dem Lieferumfang des Siberia 110 gestrichen wurde, ergeben sich keine preislichen Veränderungen.

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