Fotografieren oder Zeichnen?
Mit welchem der beiden
Verfahren sollte der Anfänger in die Sonnenbeobachtung einsteigen? In fast
allen Fälle ist die Antwort klar und eindeutig: mit dem Zeichnen und zwar
aus folgenden Gründen.
Man braucht für die Beobachtung
nur einen Projektionsschirm (den kann
man selber bauen), eine Zeichenschablone, einen nicht zu harten oder weichen
Bleistift (etwa 2B), einen Anspitzer und einen Radiergummi. Will man
später die heliographischen Koordinaten von Sonnenflecken messen, braucht
man noch einen Satz Gradnetzschablonen Dies ist die komplette Ausrüstung.
Zudem lernt der angehende Sonnenbeobachter alle hier beschriebenen Details kennen und kann
sich so langsam in die Sonnenbeobachtung einarbeiten. Mit einfachen Zeichnungen
können schon diverse Auswertungen erarbeitet werden, wie z.B. die Relativzahlbestimmung (Flecken und Fackeln),
Positionsbestimmung (und damit Schmetterlingsdiagramm, Eigenbewegung von
Sonnenflecken etc.).
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Das Prinzip der Sonnenprojektion zeigt das Bild links.
Für regelmäßige Beobachtungen sollte das Teleskop wenigstens in
Rektaszension eine Nachführung haben und die Montierung einigermaßen
justiert aufgestellt sein.
Quelle: Sky + Telescope,
© 2001 |
Die Zeichenmethode
hat natürlich auch Nachteile; der
gravierendste ist die Subjektivität des Beobachters. Sie werden es selbst
bei ihren ersten Zeichnungen merken. Es ist nicht möglich, alle
Einzelheiten zu zeichnen, die auf dem Sonnenprojektionsschirm sichtbar werden,
"man muss sozusagen mitteln'' - und das bei allen fortlaufenden Beobachtungen
möglichst gleichmässig.
Die Vorteile der Fotografie sind: die Objektivität der
Beobachtung ohne persönliche Fehler. Bei guten Beobachtungsbedingungen und
grösseren Teleskopen erreicht man eine höhere Detailausbeute und eine
höhere Genauigkeit bei Positionsbestimmungen ( nur interessant bei
Eigenbewegungsuntersuchungen oder der genauen Bestimmung des
Rotationsgesetzes).
Die Nachteile
sind: es wird eine relativ teure Kameraausrüstung inklusive einigem
Zubehör benötigt, und man muss die Dunkelkammertechnik beherrschen.
Es ist sinnlos, die belichteten Filme in ein Großlabor zu bringen und
gute Ergebnisse zu erwarten. Die Sonnenfotografie ist ein Spezialgebiet mit
entsprechend ausgesuchtem Filmmaterial und Filmentwicklungen, auf die die
kommerziellen "Urlaubslabore" nicht eingerichtet sind.
Beide Verfahren
- sowohl das Zeichnen als auch die Fotografie - liefern jedoch wertvolles
Beobachtungsmaterial, auch für spätere Auswertungen, sofern es
sorgfältig archiviert wurde.
Die
Sonnenzeichnung Wie geht man vor? Eine Auflistung der
Arbeitsschritte soll dies verdeutlichen.
| 1. |
Den Projektionsschirm am Fernrohr befestigen und das Teleskop auf die
Sonne richten. Dazu den Schatten des Instrumentes auf dem Boden benutzen
(niemals direkt schauen oder den Sucher benutzen). |
| 2. |
Die Zeichenschablone auf den Schirm legen, eventuell das Fernrohr
nachjustieren und die Sonne in die Mitte der Schablone bringen. |
| 3. |
Wenn nötig, den Abstand zwischen Okular und Schirm so
verändern, dass das projizierte Sonnenbild genau in den Schablonenkreis
passt (bei scharf fokussiertem Sonnenbild). |
| 4. |
Zeichenschablone in O - W - Richtung justieren. Dazu geht man
folgendermaßen vor: Deklinationsachse des Instrumentes festklemmen. Die
Schablone so drehen, dass sich ein Sonnenfleck, durch Hin - Herschwenken des
Fernrohres in der Stundenachse, auf der O - W - Verbindungslinie der
Zeichenschablone entlang bewegt. Ist der Fleck sehr gross oder kompliziert
aufgebaut, so sollte man die Ober - oder Unterkante des Fleckes benutzen (zur
Orientierung des Sonnenbildes siehe Bild am Ende der Seite). |
| 5. |
Jetzt kann man vorsichtig beginnen, die äusseren Formen von
Umbren und Penumbren auf der Schablone mit dem Bleistift nachzuzeichnen. Ist
man sich bei kleinen Flecken nicht sicher, ob es Sonnenflecken oder nur
Schmutzpartikel im Okular sind, so genügt ein leichtes Anstossen des
Fernrohres, so dass das projizierte Sonnenbild zittert. Sonnenflecken zittern
mit, während Schmutzpartikel sich nicht bewegen. |
| 6. |
Zum Schluss werden noch die Fackelgruppen und evtl. die Einzelfackeln
eingezeichnet. |
| 7. |
Hat man alle Details eingezeichnet, sollten sofort, noch während
der Beobachtung, die Gruppen klassifiziert und die Einzelflecken gezählt
und auf der Zeichnung neben den Flecken notiert werden ( z.B. H/3, E/26, F/32
und D/15 - siehe dazu Abbildung 11). |
| 8. |
Zum Schluss wird notiert: Der Zustand der Luftgüte (R,S,Q) während der
Beobachtung und sämtliche anderen Angaben zur Beobachtung. Später
eintragen kann man: Die Nummer der Sonnenrotation, P, B_0 und L_0 (alle Werte
aus dem astronomischen Jahrbuch, z.B. dem Ahnert). |
Prinzipiell ist die
Sonnenfleckenzeichnung und somit die Beobachtung abgeschlossen. Sind auf der
Sonne sehr grosse oder besonders interessante Flecken sichtbar, kann man noch
mit einem kurzbrennweitigeren Okular (also bei höherer
Vergrößerung) eine Detailzeichnung, z.B. zum Eintragen von
Lichtbrücken oder ähnlichen Details, anfertigen. Die anderen
Eintragungen in die untere Leiste der Schablone kann man später vornehmen.
Man sollte sich aber angewöhnen, es bald nachzuholen; am besten gleich
nach der Beobachtung am Schreibtisch (man verliert sonst leicht den
Überblick). Eine solche Zeichnung sollte nach Möglichkeit (nach
einiger Übung) nicht länger als 10 Minuten dauern, da sich in einem
solchen Zeitraum die Luftgüte schon merklich ändern kann und damit
die Beobachtung nicht mehr einheitlich ist.
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Das linke Bild zeigt ein Beispiel für eine
Sonnenfleckenzeichnung in Projektionstechnik.
Eine leere Schablone kann man sich hier
herunterladen. Sie kann dann skaliert in 11 oder 15 Zentimeter
Durchmesser ausgedruckt werden.
Man kann sich aber auch gedruckte
Exemplare von der Materialzentrale der VdS bestellen.
Die Adresse
lautet: VdS Materialzentrale c/o Thomas Heising Clara-Zetkin-Str.
59 D - 39387 Oschersleben
(bitte bei Anfragen DM 3 in Briefmarken als
Rückporto beilegen)
© 2001, W. Paech |
Abzuraten sind von
Zeichnungen, die in direkter Beobachtung mit einem Objektiv- oder Okularfilter
angefertigt werden. Die wenigsten Beobachter dürften in der Lage sein -
auch nur annähernd - die Positionen und die Proportionen der Flecken und
Gruppen zueinander massstäblich aufzuzeichnen. Eine Ausnahme bilden
hochaufgelöste Detailzeichnungen von einzelnen Flecken.
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| Die Orientierung des Sonnenbildes während der Beobachtung,
© 2001, W. Paech |
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