Glas-, Folienfilter und
Sonnenprismen
Hauptsächlich kommen nur drei Möglichkeiten zu
Energiereduzierung in Betracht.
1. Objektivfilter aus Glas 2.
Objektivfilter aus Folie 3. Prismen kurz vor dem Teleskopbrennpunkt
Die Filterung des Sonnenlichtes vor dem Refraktorobjektiv oder der
Lichteintrittsöffnung eines Spiegelteleskops hat den Vorteil, daß
Licht und Wärme gar nicht erst in den Instrumententubus gelangen, und dort
keine Bildunschärfen durch Luftwallungen erzeugen können.
Für Spiegelteleskope aller Art (ausgenommen spezielle Eigen- oder
Sonderkonstruktionen) ist die Filterung vor der Eintrittsöffnung ein
absolutes Muß, da sonst der Fangspiegel und/oder Tubusblenden (Sky
Baffles von SC-Teleskopen) in Brennpunktnähe durch die Wärme
zerstört werden können. Für Spiegelteleskope aller Art kommen
somit nur Objektivfilter in Frage (es sei denn man blendet die
Lichteintrittsöffnung auf indiskutable Werte ab). Die
Filterung mit Prismen in der Nähe des Brennpunktes kommt nur für
größere Refraktoren in Frage und ist auch nur dann empfehlenswert,
wenn man sehr hohe fotografische Bildvergrößerungen in
Okularprojektion anstrebt. Für Spiegelteleskope ist diese Art der
Filterung aus o.a. Gründen nichtempfehlenswert und gefährlich.
Objektivfilter aus Glas
Da Objektivfilter vor dem Objektiv bzw. der
Lichteintrittsöffnung eines Spiegelteleskops montiert werden, hat ihre
optische Qualität einen entscheidenen Einfluß auf die
Bildqualität. Das Filter muß planparallel und seine optische
Genauigkeit ebenso gut sein, wie die der nachgeschalteten Optik. Das
Objektivsonnenfilter ist die beste, aber leider auch die teuerste Lösung.
Sie kommt sicher nur für den Beobachter in Frage, der sich langfristig mit
der Sonnenbeobachtung beschäftigen will. Vier wichtige Kriterien muß
ein gutes Objektivfilter erfüllen:
1.) Er soll nicht als
Vorsatzlinse wirken, d.h. es darf keine eigene Brennweite haben. Die minimale
Brennweite (f) die ein Filter haben darf, ohne dass sich der Brennpunkt der
Optik verschiebt, beträgt z.B. bei einem Filterdurchmesser von 150mm, 10
Kilometer! Noch wichtiger sind aber die folgenden zwei Punkte:
2.) Das
Filter muß, innerhalb gewisser Toleranzen, planparallel sein. Die durch
die Glasscheibe laufenden Lichtstrahlen dürfen nicht beeinflußt oder
gestört (deformiert) werden. Die Planparallelität der Scheibe
muß unterhalb der Lichtwellenlänge (kleiner Lambda/4)
gewährleistet sein. Ist sie es nicht, so folgen daraus eklatante
Bildunschärfen 3.) Der Keilfehler, die Dickendifferenz zweier am
Rand des Filters gegenüberliegenden Stellen, darf nicht zu groß
sein. Ist der Keilfehler zu groß, wirkt das Filter als Prisma und erzeugt
ein kleines Spektrum. Bildunschärfen wären die Folge. Als
zulässige Spektrumslänge gilt allgemein der Radius des ersten dunklen
Beugungsringes,es folgen daraus Dickendifferenzen (bei 150mm Durchmesser des
Filters) von wenigen Hundertstel Millimetern.
4.) Die aufgedampfte
Filterschicht muß möglichst homogen und frei von Löchern sein.
Kleine Fehlstellen in der aufgedampften Schicht wirken als
Sekundärlichtquellen und können den Bildkontrast enorm mindern.
Aus diesen Vorgaben wird deutlich, dass solche hochqualitativen Filter
nicht billig produziert werden können. Objektivsonnenfilter dieser
optischen Perfektion kosten eben ihr Geld (siehe auch den Vergleich der
interferometrischen Prüfbilder in der Abbildung unten). Glasobjektivfilter
sind empfehlenswert einzusetzen bei Teleskopöffnungen größer
als 150 Millimeter, wenn die Auflösung der Optik den 1.0
Bogensekundenbereich unterschreitet und somit die Sonnengranulation auch
fotografisch sichtbar wird.
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| Dieses Interferogramm zeigt links ein "Billigfilter", hergestellt aus
Floatglas und rechts ein Zeiss Filter mit einer Planparalellität von 1/4
Wellenlänge. Je gerader und symmetrischer die Interferenzmuster, desto
besser und genauer das Filter.© 2001, W. Paech + Baader Planetarium
GmbH |
Objektivfilter aus
Folie Für "kleinere" Eintrittöffnungen bis
ca.150mm Durchmesser kann als Ersatz für die teuren
Planparallelgläser auch Sonnenfilterfolie eingesetzt werden. Dies gilt
ebenso für Aufnahmen mit Teleobjektiven oder Videoaufnahmen der partiellen
Phase einer Sonnenfinsternis. Auch für die visuelle Beobachtung mit dem
bloßem Auge und für Feldstecherbeobachtungen sind sie perfekt.
Folien sind so dünn, daß der passierende Lichtstrahl nur
unmaßgeblich beeinflusst wird. Wichtig ist jedoch, dass die Folie
beidseitig oder in mehreren Lagen mit der Reflexionsschicht bedampft ist. Nur
diese Verfahren schließen aus, daß die Folie viele kleine
Löcher hat (Staubpartikel während der Bedampfung), durch die
sekundäres Streulicht entsteht und das Sonnenbild sehr flau erscheinen
lässt.
Vor ca. 3 Jahren hat die Firma Baader in Mammendorf eine
Spezialfolie entwickeln lassen, die (fast) so gut ist, wie teure
Planparallelgläser. Es gibt sie in den Dichten 3.8 für fotografische-
und in D 5.0 für visuelle Anwendungen. Sie ist um Klassen besser, als jede
Billigfolie oder auch als die preiswerten Glasfilter, die aus den USA kommen.
Sie muß allerdings möglichst plan vor dem Objektiv oder der
Lichteintrittsöffnung befestigt werden. Ausführliche Informationen,
Interferogramme und Bastelanleitungen für Fassungen aus Pappe zum
Selbstbauen finden Sie hier. Die Folie ist auch nicht gerade billig,
aber sie ist das beste, was man außer einem Glasfilter bekommen kann. Sie
empfiehlt sich sicher für Anfänger, die vielleicht nicht wissen, ob
Sie bei der Sonnenbeobachtung bleiben wollen. Sie erspart aber sicher auch jede
Menge Frustration während der Beobachtung mit Billiglösungen.
Für seltene Gelegenheitsbeobachter tun es aber auch die Billigfolien
(für Öffnungen bis ca. 80mm). Dabei ist die preiswerteste Lösung
sicher die sogenannte Rettungsfolie aus dem KFZ-Zubehörhandel. Diese
muß eventuell zweilagig eingesetzt werden (visuell sehr vorsichtig
ausprobieren) und hat auf jedem Fall den Nachteil, dass Streulicht erzeugt
wird, da die Bedampfung "Mikrolöcher" aufweist. Diese Folien werden
einfach mit einem Einweckgummi vor der Lichteintrittsöffnung befestigt.
Sie kann auch gewellt vor der Eintrittsöffnung liegen.
Die Filterung in
Brennpunktnähe mittels Prismen Wie oben schon
erwähnt, spielt diese Art der Filterung nur eine Rolle für
größere Refraktoren und bei starken Okularprojektionen. Mit einer
Prismenfilterung hat man im Fokus eine um ca. den Faktor 10 höhere
Lichtausbeute als mit einem Glasfilter der Dichte 3.
Das Sonnenpentaprisma Die Abbildung zeigt den
Strahlengang in einem Pentaprisma. Die Licht- und Wärmereduzierung erfolgt
mit einer Kombination aus Lichtbrechung- und reflexion. Das entstehende Bild
(bei einem Refraktor) ist "astronomisch richtig", d. h. es ist um 180 Grad
gedreht (Westen links, Süden oben). Die Lichtschwächung liegt bei ca.
99.5 %. Eine Unterart des Pentaprismas ist der sogenannte
Herschelkeil oder
Herschelprisma
Auch hier liegt die Lichtreduktion bei ca. 99.5%. Serienmäßig
wird es - meines Wissens nach - nur von der Firma Baader Planetarium angeboten.
Beide Prismen erfordern für die visuelle Beobachtung zusätzliche
Neutralfilter im Strahlengang. Ohne diese dürfen sie nur fotografisch
eingesetzt werden.
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Ein
Herschelprisma
© 2001, Baader Planetarium
GmbH |
Der Strahlengang in einem Pentaprisma © 2001, W. Paech |
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Soll mit Filtern
oder Folien die partielle Phase einer Sonnenfinsternis fotografiert werden so
sollte folgendes beachtet werden: Belichtungszeiten sollten unbedingt VORHER,
auch in verschiedenen Wetterlagen, ausgetestet werden. Da die Sonnenscheibe,
egal ob partiell verfinstert oder nicht, die gleiche Flächenhelligkeit
besitzt, kann man dies auch vorher tun. Filtert man vor der
Lichteintrittsöffnung des Teleskops, muß darauf geachtet werden,
daß man kurz vor dem entscheidenen Moment des Perlschnurphänomens
das Filter schnell demontieren kann.
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