Der Sonnenprojektionsschirm
Der Sonnenprojektionsschirm dient der gefahrlosen Beobachtung von
Sonnenflecken und - fackeln und ist die einfachste und preiswerteste Art der
Sonnenbeobachtung. Sie bietet ausserdem den besten Einstieg, da immer die
gesamte Sonnenscheibe überschaubar ist; ebenso ist es die
gebräuchlichste Methode um Details der Sonnenphotosphäre einer
grösseren Gruppe von Personen (Volkssternwarte) gleichzeitig zu zeigen.
Diese Art der Sonnenbeobachtung eignet sich ausschließlich nur für
den Refraktor als Instrumententyp, da hier mit ungefilterter
Instrumentenöffnung beobachtet wird. !! Für
Spiegelteleskope (auch jede Art von SC-Teleskopen) ist von dieser
Beobachtungsart wegen der enormen Wärmebelastung der Fangspiegel
dringendst abzuraten !! Vorweg zwei
wichtige Hinweise: Da bei der
Projektionsbeobachtung das ungefilterte Licht der Sonne auf das Okular trifft,
erhitzt es sich sehr stark. Es ist deshalb unbedingt zu beachten, dass
bei Beobachtungen mit dem Projektionsschirm ausschliesslich unverkittete,
einfache Okulartypen (z.B. Mittenzwey-Okulare) verwendet werden. Bei anderen
Okulartypen schmelzen die Kittschichten der einzelnen optischen Komponenten und
die Okulare werden zerstört. Um instrumentell bedingte Luftunruhe
weitgehend zu reduzieren, empfiehlt es sich immer die Taukappe zu entfernen
(hier entsteht ein Luftstau, der sich langsam erwärmt) und die häufig
mattschwarz eloxierte Objektivfassung mit heller, reflektierender
Aluminiumfolie abzudecken. Diese Abdeckung reduziert
auch die Wärmebelastung des Objektives, da sich die schwarze Fassung
erwärmt und diese Wärme langsam an die Objektivgläser abgibt.
Das bedeutet, dass während längerer Beobachtungszeiten auch die
Objektivlinsen ihre berechnete Form ändern; eine Bildverschlechterung ist
die Folge. Ein unbedingtes Muss der Abdeckung ist erforderlich bei einfachen
Objektiven (z.B. AK-Typ von Lichtenknecker oder C-Typ von Carl Zeiss Jena), in
denen zwei Objektivgläser miteinander verkittet sind. Bei längeren
Beobachtungszeiträumen kann hier andernfalls ebenso die Kittschicht
gelöst werden wie bei den Okularen.
Der Projektionsschirm und
seine Befestigung am Teleskop sollen so stabil wie möglich (und es die
Fernrohrmontierung zulässt) sein. Es soll auf dem Schirm ja nicht nur
visuell beobachtet, sondern eventuell auch Zeichnungen der Fleckenpositionen
auf einer Schablone eingetragen werden können. Dies ist übrigens
für den Amateur - neben der Fotografie - die einzige Möglichkeit der
Positionsbestimmung von Sonnenflecken (eine Schablone finden Sie hier zum
Ausdrucken) Zum Zubehör von kommerziell gefertigten Fernrohren
(z.B. Vixen, Zeiss gehören Projektionsschirme, die optisch und mechanisch
an diese angepasst sind. Wer seine Fernrohre selber baut, und sich zum Kauf
eines Schirmes entscheidet, dem sollte die mechanische Anpassung an sein
Instrument keine Probleme bereiten. Aber auch ein Selbstbau ist möglich,
ein Beispiel zeigt das Bild.
 © 2001, W.
Paech |
Der
Projektionsschirm wird mit Rohrschellen (oder einer ähnlichen Alternative)
am Fernrohrtubus befestigt. Der Abstand des Schirmes vom Okular muss, wenn auf
hohe Genauigkeit der Zeichnungen Wert gelegt wird, variabel sein, denn die
Sonne ändert, bedingt durch die Ellipsenbahn der Erde, ihre scheinbare
Grösse am Himmel. Man kann dies, mit zwei ineinander geschobenen Rohren
ausgleichen, die durch eine Rändelschraube miteinander fest verbunden
werden können. Der Schirm selber kann aus einer runden oder quadratischen
Platte (am besten Aluminium) bestehen. Wichtig ist, dass die Platte
möglichst rechtwinklig zur optischen Achse des austretendes
Lichtbündels steht. Ist dies nicht der Fall, bekommt man ein verzerrtes
Projektionsbild und die eingezeichneten Positionen der Sonnenflecken - und
fackeln werden grob falsch. Zur Abschirmung störenden Nebenlichtes
(Kontraststeigerung) kann auf dem Fernrohrtubus eine grosse Pappscheibe
befestigt werden. Die Zeichenschablone wird mit Wäscheklammern auf der
Aluminiumplatte befestigt. Diese Methode bietet den Vorteil, dass die Schablone
jederzeit leicht Ost-West-Richtung ausgerichtet werden kann; dies ist eine
wichtige Voraussetzung für spätere Positionsbestimmungen.
Als
Durchmesser für den projizierten Sonnendurchmesser wird empfohlen:
Instrumente bis 100mm Öffnung = 11 Zentimeter und Instrumente
ab 100mm Öffnung = 15 Zentimeter
Zum Abschluss werden im Folgenden
noch die Formeln zur Berechnung der geometrischen Abmessungen des Schirmes
gegeben, da die Grösse der projizierten Sonnenscheibe natürlich von
der Objektivbrennweite, der Okularbrennweite und dem Abstand zwischen Okular
und Schirm abhängig ist. Die Formel gilt nur für Abstände, die
wesentlich grösser sind, als die verwendeten Okularbrennweiten.
Die Größe des projizierten Sonnenbilddurchmessers (S) ist
abhängig von dem Abstand (a), den der Schirm vom Okular hat, von
der Primärbrennweite des Objektives (f_Ob), der Okularbrennweite
(f_Ok) und der Stellung der Okularfokussierung (z).
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| Zur Berechnung eines Sonnenprojektionsschirms, © 2001, W.
Paech |
Hierbei ist z
veränderlich. Fällt der Brennpunkt des Okulares exakt mit dem
Primärfokus des Objektives zusammen, so ist z = 0. Wird z nur um kleine
Werte verändert, so ändern sich S und a beträchtlich. Die
Formeln zur Berechnung lauten:
| S = ((V x a) - f_Ob) / 114 und |
| a = (f_Ok x (f_Ok + z)) / z und |
| V = f_OB / f_OK |
Ein Beispiel: gegeben ist ein Fernrohr mit 1000 mm
Brennweite und einem Okular von f = 20 mm, der Durchmesser S des projizierten
Sonnenbildes soll 110 mm betragen. Damit wird a = ca. 271 mm und z = ca. 1.6
mm. |
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