Beschreibung und Benennung der
chromosphärischen Details
Im Protuberanzenansatz (nur Rand)
| Protuberanzen (engl. prominences) |
werden von den Sonnenphysikern unterteilt in ruhende
Protuberanzen und aktive (eruptive) Protuberanzen.
Ruhende
Protuberanzen (engl. quiet promininences) sind oft recht stabile Erscheinungen,
gekoppelt an stabile Sonnenfleckengebiete, meist beobachtbar über mehrere
Sonnenrotationen. Eruptive Protuberanzen (engl. eruptive oder ascending
promininences) genannt, entstehen - durch bislang ungeklärten Gründe
- aus ruhenden Protuberanzen. Diese werden plötzlich sehr aktiv, steigen
auf und lösen sich dabei auf. Oft bildet sich jedoch an gleicher Stelle
wieder eine neue ruhenden Protuberanz aus. |
Kappen oder Hauben (engl. caps) |
bezeichnen tief über dem Rand liegende, sehr
helle Protuberanzen. Oft werden an den Enden der caps surges ausgeworfen.
Sichtbar sind sie für einige Stunden bis zu einigen Tagen. |
Materieauswürfe (engl. surges) |
gehören zu den spektakulärsten
Erscheinungen. Es sind lange gerade oder leicht gekrümmte Säulen, die
aus Aktivitätsgebieten (meist Sonnenfleckengruppen) herausschiessen und
auf der selben Bahn in die Chromosphäre zurückfallen. Sie stammen aus
Helligkeitsausbrüchen (Flares) in der Nähe von Flecken und
können in kurzer Zeit (t kleiner 60 min.) Höhen von weit über
500 000 km erreichen In einigen aktiven Gebieten entstehen mehrere - fast
identische - surges während der Lebensdauer einer Sonnenfleckenregion.
|
| Knoten (engl. knots) |
Am Rand beobachtbare, sehr helle - aber auch sehr
kurzlebige (ca. 15 min.) Erscheinungen. Sie erreichen Höhen über dem
Sonnenrand von ca. 20 000 km (3'') und sie sind immer mit Flecken
assoziiert. |
| Fontänen (engl. spray) |
schiessen mit noch höheren Geschwindigkeiten als
Flares aus der Chromosphäre empor (v meist grösser als die
Fluchtgeschwindigkeit). Deshalb bleibt die Materie nicht zusammen (wie bei den
surges) sondern fliegt oft in Bruchstücken (engl. fragments) davon.
|
Koronale Wolken (engl. coronal clouds)
|
sind seltene Erscheinungen, die hoch über der
Chromosphäre (einige 10 000 km) in der Korona zu hängen scheinen.
Daraus strömt Materie auf gekrümmten Feldlinienbahnen in die
Chromosphäre hinein. Die Lebensdauer der coronal clouds beträgt
einige Tage, selten länger. |
| Bögen (engl. loops). |
Hier unterscheidet der Sonnenphysiker zwischen den
single loops und den flare loops. Bei den Single loops fliesst die Materie auf
der einen Seite aufwärts und auf der anderen Seite abwärts - meistens
in einen Fleck hinein; bei den flare loops strömt Materie auf beiden
Seiten abwärts. Die Spitzen der loops kennzeichnen optisch den
höchsten Aktivitätsgrad der Sonnenatmosphäre. Darüber ist
die Korona sehr heiss und verdichtet zur coronal condensation. Der Amateur kann
die beiden Typen nicht unterscheiden, da er nicht in der Lage ist die
Flussrichtungen der Materie zu bestimmen. |
| Spikulen (engl. spicules) |
sind kleine flammenartige Gebilde von ca. 1'' Breite
und 10'' Höhe, die den gesamten Sonnenrand umgeben. Kurze Lebensdauer von
10-20 min. kennzeichnen diese Gebilde. Vermutet wird, dass es sich um
Fibrillen, gesehen aus seitlicher Perspektive, handelt. |
| Bright mottles |
sind Erscheinungen der unteren Chromosphäre (ca.
1''-6'' über der Photosphäre). Es sind kleine, helle, bis
längliche Knötchen mit Ausdehnungen von ca. 3''. Ihre Lebensdauer
liegt im Schnitt bei nur 12 Minuten. |
Auf der Oberfläche
| Filamente (engl. filaments) |
sind nichts anderes als Protuberanzen in der Draufsicht, nur
erscheinen sie gegen die helle Sonnenoberfläche dunkel. Man unterscheidet
hier ebenfalls zwischen den ruhenden und den eruptiven Filamenten. Die stabilen
älteren Filamente kann man auf der Oberfläche gut erkennen, da sie
parallel zum Sonnenäquator ausgerichtet sind, manchmal fast über die
gesamte Scheibe. |
| Fibrillen (engl. fibrils) |
sind sehr kleine, ebenfalls dunkel erscheinende Objekte, die sich
grossräumig um Aktivitätsgebiete scharen (ähnlich
Eisenfeilspänen um einen Magneten). Sie sind etwa 1''-3'' breit und ca.
15'' lang. Die Lebensdauer beträgt nur ca. 10-20 Minuten. Vieles spricht
dafür, dass man hier Spikulen in der Draufsicht sieht. |
Bogen-Filamente (engl. arch filaments) |
sind den Fibrillen sehr ähnlich, jedoch wesentlich grösser
ausserdem haben sie eine längere Lebensdauer. Sie bilden sich oft im
Frühstadium der meisten Aktivitätszentren, hauptsächlich
zwischen bipolaren Flecken. Sie sind oft ein sicheres Anzeichen für
heftige, schnelle Änderungen in der Entwicklung der Aktivitätszentren
|
Chromosphärisches Netzwerk (engl. chromospheric
network) |
ist eine übergeordnete (schwer erkennbare)
``Supergranulationsstruktur''. Sie wurde bereits von Hale 1892 mit dem
Spektrohelioskop entdeckt. Weitaus besser als in der H-alpha Linie ist es
jedoch auf Aufnahmen der violetten Kalzium Linie zu sehen. |
Helles Muster (engl. bright pattern) |
ist ein noch ungeklärtes Phänomen. Hier wird zur Zeit
diskutiert, ob es sich um die durchscheinende Granulation der Photosphäre
handelt. |
| Superpenumbra |
(bei Einzelflecken) aus Fibrillen bestehend und im Aussehen
ähnlich der Weisslichtpenumbra, ca 3'' breit und ca. 25'' lang.
|
Moustaches (engl. bright points oder Ellerman bombs) |
sind kleine, sehr sehr helle, Lichtpunkte (oft erreichen sie fast
Flare Helligkeit) mit einer Grösse von 1''-5''. überwiegend
beobachtbar an den äusseren Penumbrarändern bipolarer Hauptflecken.
Diskutiert wird zur Zeit ob es sich bei den Moustaches um die Enden von
Fibrillen handelt. |
| Lichtblitze (engl.flares) |
sind plötzliche, sehr heftige Strahlungsausbrüche und
keine Materieauswürfe. Die Helligkeit ist extrem gross, in einigen
wenigen Fällen heller als die Photosphäre, so dass sie dann auch im
Integrallicht sichtbar werden. Die abgestrahlte Energie ist so hoch, dass es
häufig Störungen in der Erdatmosphäre gibt (gestörter
Funkverkehr, Polarlichter, ionosphärische und geomagnetische Anomalien)
|
|
|