Gedanken zum Instrumentenstandort speziell für
Sonnenbeobachtungen
Der Instrumentenstandort ist
ausschlaggebend für die Qualität einer
jeden Sonnenbeobachtung. Logisch ist natürlich, dass der Amateur nicht
seinen Wohnort verlegen kann nur um perfekte Bedingungen zu realisieren. Im
folgenden sind aber ein paar Punkte aufgeführt, die den vorhandenen
Standort verbessern und damit die Seeingbedingungen deutlich verbessern
können.
Jeder Beobachter
sollte sich deshalb kritisch mit seinem Beobachtungsplatz auseinandersetzen und
unter Umständen durch gezielte Veränderungen der Umgebung
Verbesserungen herbeiführen. Es kann passieren, dass Amateure erhebliche
Summen und Arbeitszeit in das Instrumentarium investieren, der
Beobachtungsplatz diesen Aufwand aber gar nicht rechtfertigt.
Bei der
Wahl des Beobachtungsortes sollte berücksichtigt werden, dass der
Sehstrahl über homogenes Gelände führt, d.h. gleichartig
erwärmende und abkühlende Umgebung. Dieses ist bei bebauten
Flächen, Strassen oder Getreidefeldern nicht gewährleistet, denn sie
bilden keinen Wärmespeicher. Sie heizen sich zu schnell auf und geben die
Wärme in Form von Flimmern oder Turbulenzen wieder ab.
Besser
geeignet sind Waldflächen, die durch gleichmässige Verdunstung eine
ruhige Konvektion ergeben. Optimal wäre es, wenn das Instrument
möglichst hoch über den bodennahen Luftschichten aufgebaut würde
(10 m - 20 m, dies gilt übrigens für jeden Instrumentenstandort
für astronomische Beobachtungen). Ein Turm, Gebäude oder Balkon kann
hier sehr wertvoll sein, vorausgesetzt, dass die Teleskopöffnung die
seitliche Abstrahlung des Gebäudes überragt. Besondere Sorgfalt
verdient die Gestaltung der näheren Umgebung des Instrumentes. Wege
sollten von Norden heranführen, im Süden und Westen sollten
Begrünungen angelegt werden. Manchmal kann ein Rasensprenger in der
Richtung zur Sonne verblüffende Erfolge ergeben.
Wer
ausschliesslich Sonnenbeobachtung und -fotografie betreibt, wird gut daran tun,
Kuppel, Instrument und andere Gegenstände mit hellen Farben zu streichen,
die dann weniger Wärme aufnehmen. Amateure, die ihr Instrument in einer
Kuppel aufgebaut haben, werden bei der Sonnenfotografie Probleme mit
Wärmestauungen im Bereich des Kuppelspalts bekommen. Die Fotografie bei
geöffneter Kuppeltür (Durchzug) führt oft zu erstaunlichen
Verbesserungen der Bedingungen. Amateure mit Schiebedach- oder
Klappdachhütten haben bei der Sonnenfotografie wesentliche Vorteile. Dem
Einfluss von Luftturbulenzen im Teleskoptubus (bei Verwendung des
Sonnenprismas) begegnet man am leichtesten mit Abkühlphasen durch
Abschattung des Instrumentes oder der Wahl eines Objektivfilters.
Zusätzlich sollte im Bereich des Objektivs eine ringförmige Blende
aussen um den Tubus installiert werden, um die Wärme vom hinteren Teil des
Instruments fernzuhalten. Die Taukapppe wird bei der Sonnenbeobachtung
am besten entfernt, um unnötigen Wärmestauungen vor dem Objektiv zu
vermeiden. Die günstigsten Zeiten zur Sonnenbeobachtung sind für den
Amateur natürlich andere als für den professionellen Beobachter.
Dieses liegt hauptsächlich an der Lage des Beobachtungsplatzes.
Sonnenobservatorien werden auf Bergen oder Inseln gebaut, Amateure beobachten
meistens in Grossstädten. Es lohnt sich deshalb für seinen eigenen
Standort, mittels visuellen Beobachtungen über den Tag verteilt einen
Tagesgang der Seeingbedingungen zu bestimmen. Dabei kann es passieren, dass man
zur Mittagszeit bessere Bedingungen findet, als morgens oder abends. Im
allgemeinen werden aber die Morgen- und Abendstunden bessere
atmosphärische Bedingungen bieten. |
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