Welches Teleskop ist für die Sonnenbeobachtung
am geeignetsten?
Blicken Sie niemals durch ein Teleskop, welches auf die Sonne
gerichtet ist, ohne sich vorher zu überzeugen, dass geeignete
Schutzmassnahmen zur Licht- und Energiereduzierung getroffen wurden. Ein
ungeschützter Blick, selbst durch ein kleines Sucherfernrohr, kann das
Auge dauerhaft - bis zur völligen Blindheit - schädigen.
Die
Beobachtung unserer Sonne ist für viele Amateurastronomen eine reizvolle
Aufgabe, denn die Sonne ist der einzige Fixstern auf dem der Amateur
Oberflächendetails sehen kann. Ausserdem kann der, durch die berufliche
Tagesarbeit, gestresste Amateur seine Beobachtungen auf das Wochenende verlegen
und in der Nacht ausschlafen. Die Beobachtung der Sonne ist alles
andere als langweilig. Zeigt sie uns doch jeden Tag, ja fast jede Stunde, einen
anderen Anblick. Die Sonnenbeobachtung bietet dem Amateur viele interessante
und spannende Arbeitsfelder, angefangen bei der einfachen Dokumentation der
Sonnenaktivität über die Fotografie der Granulation bis hin zu
Beobachtungen von Protuberanzen und anderen Oberflächendetails in der
Chromosphäre.
Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil
ist der, dass für die Sonnenbeobachtung kleinere, handliche Teleskope
ausreichend sind Die grossen Lichteimer der Deep-Sky Beobachter sind
überflüssig. Kleine, hochwertige Teleskope können hier ihre
Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Dem Amateur steht heutzutage ein breites Angebot
von Teleskoptypen der verschiedensten Hersteller zur Verfügung.
Prinzipiell sind alle Teleskope - beachtet man die Hinweise der Hersteller -
für die Sonnenbeobachtung geeignet. Grundsätzlich werden
Amateurteleskope grob in folgende drei Typen unterteilt:
Refraktoren, Reflektoren und eine Mischung
aus diesen beiden Grundtypen. Der verbreitetste Mischtyp ist das klassische
Schmidt-Cassegrain Teleskop, wie es von
Celestron und Meade in verschiedenen Grössen angeboten werden. Einleitend
sei bemerkt, dass sich dieser Beitrag nur auf fertig gekaufte Teleskope
bezieht. Eigenbauteleskope, speziell für die Sonnenbeobachtung
konstruiert, werden nicht oder nur am Rande erwähnt. Beim
Refraktor entsteht die Abbildung durch
Lichtbrechung (Refraktion) der Objektivlinsen, bei einen reinen
Reflektor (z.B. Newton-Teleskop) durch
Reflexion. Bei den Schmidt-Cassegrain-Teleskopen, kurz auch
SC-Teleskop genannt, entsteht die Abbildung durch eine Mischung aus Refraktion
(Schmidt-Platte zur Bildfehlerkorrektur) und Reflexion (Haupt- und
Fangspiegel). Eines hat der Amateur bei der Sonnenbeobachtung genug,
nämlich Lichtintensität. Wo die "Kollegen der Nachtschicht" um jeden
Quadratzentimeter lichtsammelnder Fläche der Optik kämpfen, muss der
Sonnenbeobachter das Licht seines Beobachtungsobjektes sogar filtern und
dämpfen.
Um die für Sonnenbeobachtungen geeignete
Instrumententypen, Instrumentengrössen und Zubehör diskutiert und zu
beschreiben, ist es wichtig einen Überblick zu bekommen, welche
Oberflächendetails es für den Amateur auf der Sonne zu beobachten
gibt. Vorab gilt dabei zu unterscheiden, in welchem Bereich des
elektromagnetischen Spektrums die Sonne beobachtet werden soll. Für den
Standard-Sonnenbeobachter kommen hier nur zwei Bereiche in Frage; die
Beobachtung der Sonne im kontinuierlichen Licht, die sogenannte
Weisslichtbeobachtung (gesamter Teil des sichtbaren Spektrums von ca. 400 bis
700 Nanometer Wellenlänge, Photosphäre) und die Beobachtung der Sonne
im Licht der roten Wasserstofflinie, die H-alpha Beobachtung (hier wird eine
einzelne Spektrallinie aus dem Spektrum herausgefiltert, Chromosphäre).
Die Beobachtung der Sonne im
Weisslicht Die Beobachtung der Sonne im Weisslicht bedeutet,
dass man einen breiten Teil des Spektrums, welcher dem Auge sichtbar ist,
beobachtet; also vom kurzwelligen blauen Licht bis hin zum langwelligen roten
Licht. Die Mischung dieser Farben ergibt weiss, deshalb auch
Weisslichtbeobachtung. Betrachtet man die Sonne - entsprechend lichtgedämpft - durch
ein Teleskop im weissen Licht, beobachtet man die sogenannte Photosphäre
der Sonne. Sie ist die äussere dichte Gasschicht der Sonne mit einer
Temperatur von ungefähr 5.500 Grad Celsius. Zuerst fallen dem Beobachter
die Sonnenflecken auf; schwarze Strukturen in der hellen Photosphäre, in
ihrem Erscheinungsbild gestreut von kleinen runden Einzelflecken bis hin zu
kompliziert strukturierten grossen Sonnenfleckengruppen.
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| Sonne aufgenommen am 26.10.1991: © 2001, W. Paech
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Sonnenflecken sind
die "sichtbaren'' Auswirkungen gewaltiger Magnetfelder des Sonneninnern, die an
diesen Stellen die Photosphäre durchbrechen. An den Austrittsstellen wird
das Photosphärengas abgekühlt und deshalb erscheinen die
Sonnenflecken dunkler als die heissere Umgebung. Weiterhin sieht man, zum Rand
der Sonne hin immer deutlicher, helle Fackelgebiete um die Sonnenflecken herum.
Auffällig - selbst in kleinen Teleskopen - ist die sogenannte
Randverdunklung. Setzt man grössere Teleskope ein, erscheint bei der
Beobachtung im Weisslicht die Sonnengranulation, die Grundstruktur der
Photosphärenschicht. Sonnenflecken und Fackelgebiete ändern ihre
Erscheinung tagtäglich. Kleinste Flecken, sogenannte Poren, entstehen und
vergehen in Zeiträumen von Minuten bis Stunden; grosse
Sonnenfleckengruppen kann der Beobachter über Monate verfolgen.
Die Sonnenbeobachtung im Licht der roten
Wasserstofflinie Betrachtet man die Sonne durch ein
Spezialfilter im H-alpha Licht, beobachtet man die sogenannte Chromosphäre
der Sonne. Sie ist ist eine sehr heisse Gasschicht, die vom Sonnenmittelpunkt
gesehen, über der Photosphärenschicht liegt. Die Chromosphäre
ist räumlich Betrachtet extrem dünn und ihre Lichtintensität ist
etwa eine Million mal schwächer als die der Photosphäre. Deshalb
braucht man zu ihrer Beobachtung spezielle Filter, die nur das rote Licht bei
einer Wasserstofflinie von exakt 656,3 Nanometer passieren lassen. Ein
Beobachter, der zum ersten mal die Chromosphäre der Sonne beobachtet, hat
das Gefühl zu sehen'', dass die Sonne ein brodelndes Inferno heisser Gase
ist. Das auffälligste sind die Protuberanzen am Sonnenrand, gewaltige
tiefrote Gasfackeln aus Wasserstoffgas, aus aktiven Sonnengebieten mit mehreren
Tausend Kilometern pro Sekunde ins All geschleudert. Sie, lieber Leser, haben
unsere Sonne immer für einen friedlichen, ja langweiligen Stern gehalten?
Sie werden ihre Meinung ändern, wenn sie zum ersten mal beobachten, wie
sich eine Riesenprotuberanz über den Sonnenrand erhebt oder Sie direkt
sehen, wie ein Sonnenflare das Gas der Chromosphäre aufheizt. Auf der
Sonnenoberfläche sieht man diese Protuberanzen als graue bis schwarze
Bänder in der Draufsicht gegen die - im H-alpha Licht - rote Sonnenkugel;
in der Fachsprache nennt man sie Filamente. Ebenfalls sichtbar sind
Sonnenflecken, allerdings weit weniger auffällig als im Weisslicht.
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| Die Chromosphäre der Sonne. Foto am 27.5.1988: © 2001,
W. Paech |
Deutlich
auffälliger, und auch in Sonnenmitte sichtbar, sind die
chromosphärischen Fackelgebiete in aktiven Sonnenregionen. Zu Zeiten
starker Sonnenaktivität kann man mindestens einmal pro Tag einen
Sonnenflare beobachten. Auf der Sonnenscheibe selbst sieht man die
chromosphärische Granulation und beim Einsatz grösserer Teleskope
kann man am Rand die sogenannten Spikulen beobachten. Spikulen sehen aus wie
Miniaturprotuberanzen, sie sind in der gesamten Chromosphäre ziemlich
gleichmässig verteilt. Bei starken Vergrösserungen wirken sie wie
eine "züngelnde Flammenwand''. Die Betrachtung der Sonne im H-alpha Licht
ist ein faszinierendes Beobachtungsgebiet für den Amateur. Die
Zeiträume, in der starke Veränderung der einzelnen Details sichtbar
werden, sind kurz. Selbst gewaltige Veränderungen, wie das Auftreten eines
Flares oder das Hervorschiessen einer riesigen Protuberanz mit mehreren
Hunderttausend Kilometern Höhe, geschieht innerhalb von Minuten bis hin zu
einigen, wenigen Stunden. Wahl der
Instrumentengrösse und des Instrumententyps Um die
Instrumentengrösse abzuschätzen, lassen Sie uns einen Blick auf die
scheinbaren Winkelgrössen der Objekte werfen, die wir auf der Sonne
beobachten wollen. Die kleinsten Strukturen, die für den Standard-Amateur
auf der Sonne zu beobachten sind, ist die einzelnen Granulen der
Sonnengranulation. Granulen haben eine scheinbare Grösse von ca. 2 bis 3
Bogensekunden (die ganze Sonnenscheibe ist im Mittel 0.5 Grad im Durchmesser; 1
Grad = 60 Bogenminuten, 1 Bogenminute = 60 Bogensekunden). Da das
Auflösungsvermögen (die Trennschärfe) eines Teleskops nur vom
Durchmesser der Optik abhängig ist, muss also gefordert werden, dass das
Teleskop 2 Bogensekunden auflösen kann.
Das
Auflösungsvermögen eines Teleskops berechnet sich grob wie folgt:
Auflösungsvermögen (in Bodensekunden) = 138 / Objektiv-
oder Spiegeldurchmesser (in Millimeter)
Wird die Formel umgestellt und
der Wert von 2 Bogensekunden eingesetzt, so ergibt sich eine geforderte
Teleskopöffnung von theoretisch nur 69 Millimeter. Da dies nur eine
Faustformel ist erhöhen wir den Objektivdurchmesser zur Sicherheit auf 100
Millimeter. Teleskope dieser Öffnung gehören heutzutage zum
Standardrepertoire des Amateurastronomen und zeigen im Prinzip alle Details der
Sonnenoberfläche die dem Amateur zugänglich sind.
Schwieriger ist die Frage zu entscheiden, welchen Instrumententyp man einsetzen
soll. Jede Bauweise hat seine Vor- und
Nachteile. Logisch ist auch; hat man bereits ein Instrument,
sollte man es auch einsetzen. Soll ein Gerät speziell zur
Sonnenbeobachtung anschafft werden, empfiehlt der Autor aus über
30-jähriger Praxis der Sonnenbeobachtung die Anschaffung eines Refraktors.
Die Gründe sind vielfältig, die beiden wichtigsten sind folgende: Bei
der enormen Lichtfülle der Sonne spielt die lichtsammelnde Fläche der
Optik keine Rolle, so dass der grösste Vorteil lichtstarker
Spiegelteleskope, die meist grössere Teleskopöffnung, nicht zum
Tragen kommt. Dagegen verhilft das Fehlen eines Fangspiegels im Strahlengang
dem Refraktor zu einer besseren Kontrastleistung bei gleicher Öffnung. Die
oft längeren Brennweiten eines Refraktorobjektives sind von Vorteil, da
bei der Sonnenbeobachtung mittlere bis starke Okularvergrösserungen
(größer 50fach) gefragt sind. Weitere Vorteile des Refraktors
sind:
ein geschlossener Tubus und für den
Gelegenheitsbeobachter eine Transportunempfindlichkeit gegenüber
Spiegelteleskopen. Bei Spiegelteleskopen entsteht bei der Lichtreflexion an den
Spiegeln, physikalisch bedingt Streulicht, welches den Bildkontrast mindert.
Für die Beobachtung z.B. der Granulation im weißen Licht ist jedoch
höchste Kontrastleitung der Optik gefordert. Noch stärker gilt die
Forderung höchster Kontrastleistung für Beobachtungen im H-alpha
Licht.
Noch ein paar Bemerkungen zur
Montierung: Wer sich ernsthaft - und nicht nur als
Gelegenheitsbeobachter - der Sonnenbeobachtung widmen möchte, wird
früher oder später den Wunsch haben, seine Beobachtungen entweder
zeichnerisch oder fotografisch zu dokumentieren. Für beide
Beobachtungsmethoden sollte die Montierung parallaktisch mit Motorantrieb
ausgestattet und stabil und standfest aufgebaut sein. Sowohl bei der
fotografischen- als auch bei der zeichnerischen Beobachtung muss das Teleskop
häufig berührt werden. |
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