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Sonnenaufnahmen in CCD - Technik

Herkömmliche Digitalkameras werden immer preiswerter, warum sie also nicht auch für die Astro- und für die Sonnenfotografie einsetzen? Nur läßt sich bei den preiswerten Kameras das Objektiv nicht entfernen. Wie also kann man damit Sonnenaufnahmen machen? Die Antwort lautet: in sogenannter afokaler Okularprojektion.

Die sogenannte afokale Okularprojektion stammt aus den Anfängen der Astrofotografie, als es noch keine Spiegelreflexkameras gab.
Was ist eine afokale Okularprojektion und wie funktioniert sie ?

Nebenstehendes Bild zeigt Ihnen den optischen Strahlengang einer afokalen Projektion und soll das ganze verständlich machen.

© 2002 - W.Paech
Bei einer normalen Okularprojektion wird das Objektiv der Aufnahmekamera entfernt und das Okular projiziert ein vergrößertes Bild - ähnlich eines Diaprojektors - auf den Film. Bei den gängigen Digitalkameras kann aber das Kameraobjektiv nicht entfernt werden, deshalb wird es in die Projektion einbezogen:

Parallel einfallendes Licht eines unendlich entfernten Objekts tritt - von links kommend - in das Objektiv (oder Spiegel) des Teleskops ein und wird im Brennpunkt vereinigt. Der Brennpunkt des Okulars fällt mit dem Brennpunkt des Objektivs zusammen und das - aus dem Okular - austretende Lichtbündel ist wieder parallel und wird normalerweise durch die Augenlinse auf die Netzhaut fokussiert. Die Augenlinse wird jetzt durch das Objektiv der Digitalkamera ersetzt. Ist dieses auf unendlich fokussiert, dann bündelt es das parallele Licht auf dem CCD-Chip und man erhält ein scharfes Bild des Aufnahmeobjekts.


Die Vorgehensweise zur Aufnahme ist also folgende: Mit dem Auge das Teleskop fokussieren, die Digitalkamera ansetzen, auf Unendlich fokussieren (erledigt meist das Autofokussystem) und Auslösen. Fertig.

Die Bildvergrößerung wird entweder über die Okularbrennweite oder die Zoomfunktion der Digitalkamera (sofern vorhanden) geregelt. Die neue - dabei entstehende scheinbare - Brennweite, auch Äquivalentbrennweite genannt, berechnet sich wie folgt:
f_neu = (f_Teleskop x f_Objektiv) / f_Okular,
ist f_Okular = f_Objektiv erhält man eine 1:1 Abbildung und die Brennweite entspricht der Originalbrennweite

Der Abstand zwischen Okularlinse und Kameraobjektiv geht in die Ermittlung der Äquivalentbrennweite nicht ein. Er spielt aber eine wichtige Rolle für die Bildvignettierung. Je weiter sie auseinander stehen, desto größer ist die Vignettierung. Sie sollten sich also möglich (fast) berühren. Ein weiterer Punkt spielt eine Rolle bei der Bildvignettierung: Das parallel aus dem Okular austretende Licht hat den maximalen Durchmesser der Okularlinse. Sitz dahinter ein Kameraobjektiv mit deutlich größerer Frontlinse ergibt sich sofort eine starke Bildvignettierung. Eine Bild ohne Vignettierung entsteht nur wenn die Aufnahmeoptik der Kamera nicht größer als die Okularlinse ist.

Wie schließt man eine Digitalkamera ans Teleskop an?


Die Firma Baader bietet inzwischen eine ganze Reihe Zwischenringe an, mit der man fast jede auf dem Markt befindliche Digitalkamera an einen vorhandenen Okularprojektionsansatz anschließen kann. Eine Übersicht finden Sie hier
Die folgenden Bilder zeigen einige erste Testbilder von mir, aufgenommen mit einer Canon Powershot IS 90 Pro, angesetzt an einen 5 Zoll Refraktor mit 860 mm Brennweite. Das mittlere Bild zeigt eines der ersten Resultate, aufgenommen im Auto-Modus der Canon bei einer Objektivbrennweite von ca. 35 mm durch Baader´s visuelle Sonnenfilterfolie. Die Belichtungszeit betrug 1/200 Sekunde und wurde manuell eingestellt. Projiziert wurde über ein 25mm Plössl Okular. Alle Aufnahmen entstanden am 10.5.2002 gegen 10:30 UT
Selbstverständlich lassen sich auch Übersichten der Photosphäre aufnehmen. Aber genauso gut lassen sich Detail - wie hier im Bild eine Lichtbrücke - mit Digitalaufnahmen leicht verfolgen.

© alle Bilder - W. Paech 2002
Die Vorteile der digitalen Sonnenfotografie liegen darin, dass man praktisch sehr viele Bilder aufnehmen, sofort die besten selektieren und den Rest löschen kann. Dies ist mit herkömmlichen Film ein teurer Spaß. Die Nachteile der digitalen Fotografie liegen darin, dass der Kontrastumfang zwischen Granulation, Umbra und Penumbra sehr groß ist, den preiswerte Kameras nicht ohne weiteres abbilden. Einiges kann man über die anschließende Bildverarbeitung verbessern, aber eben nicht alles.

Einen guten einführenden Artikel zur digitalen Sonnenfotografie finden Sie von Stefan Korth im interstellarum 21 (April 2002) auf der Seite 32, wo auch auf die H-alpha Fotografie eingegangen wird.


Folgende Punkte sollten Sie bei der Digitalfotografie der Sonne im Weißlich - wenn möglich - beachten:
  • die Bilder nicht im jpg- sondern im Raw-oder einem anderen, unkomprimierten Dateiformat aufnehmen
  • die Kamera über eine Fernbedienung auslösen
  • wenn möglich Graustufenbilder über ein Grünfilter (ggf. zusammen mit einem UV/IR Sperrfilter) aufnehmen. Im grünen Spektralbereich ist der Kontrast am höchsten. Ein UV/IR Sperrfilter ist am Refraktor ein absolutes Muß
  • wenn nur die Aufnahme von Farbbildern möglich ist, diese in der Bildverarbeitung in S Auszüge splitten und das Grünbild weiterverarbeiten.