Die Abschätzung von Belichtungszeiten bei der
Sonnenfotografie
Die
erforderliche Belichtungszeit für Aufnahmen der partiellen Phase einer
Sonnenfinsternis und für alle anderen Aufnahmen der Photosphäre kann
nach folgender Formel abgeschätzt werden. Durch Dunst, Nebel und/oder
Höhe der Sonne über dem Horizont etc. kann sich der berechnete Wert
um mindestens 100 Prozent nach oben oder nach unten verschieben (dies bedeutet
eine Verdoppelung oder Halbierung der Belichtungszeit).
Eine
abgeschätzte Belichtungszeit berechnet man wie folgt:
| Belichtungszeit (t) = (N2 x F) / (E x K) |
Dabei bedeutet:
| t |
Belichtungszeit in Sekunden |
| N2 |
Quadrat des Öffnungsverhältnisses
(Brennweite/Objektivöffnung) |
| F |
Filterfaktor (Dämpfungsfaktor, (siehe Filter) |
| E |
Filmempfindlichkeit in ASA oder ISO |
| K |
Konstante der Sonnenhelligkeit (ca. 10 000 000 bis 70 000
000) |
Setzt man mehrere
Filter ein, so werden die Dämpfungsfaktoren einfach miteinander
multipliziert (z.B. F = 1000 und F = 2 ergibt F = 2000).
Wir geben zwei
Beispiele zur Belichtungszeitabschätzung:
1. Beispiel
(Fokalaufnahme): Eingesetzt wird ein Refraktor mit 100 mm
Objektivöffnung und einer Primärbrennweite von 1000 mm, zusammen mit
einem 2fach Telekonverter. Als Film soll Agfa Macophot Ort 25 eingesetzt und
zur Lichtdämpfung wird ein Objektivsonnenfilter der Dichte 3 (Filterfaktor
F = 1000). Als K - Faktor setzen wir einen mittleren Wert von 35 000 000 an.
Dann wird f = 2000 mm und N dementsprechend 2000/100 = 20 und N2 = 400.
In obige Formel eingesetzt ergibt sich die Belichtungszeit (t) zu:
| t = (400 x 1000) / (35 000 000 x 25) = 0.0005 Sekunde = 1/2000
Sekunde |
Dies ist für
die Sonnenfotografie ein guter Wert. Belichtungszeiten länger als 1/500
Sekunde sollten wegen des tagsüber oft sehr schlechten Seeings nicht
eingesetzt werden. Da die wenigsten Kameragehäuse 1/2000 Sekunde belichten
können, muß in diesem Beispiel noch ein leichtes Graufilter in den
Strahlengang eingefügt werden.
2. Beispiel (
Okularprojektion): Verwendet wird das gleiche Instrument
wie in Beispiel 1, Projektionsabstand (a) = 100 mm, Brennweite des
Projektionsokulars (f_Ok) = 10 mm. Die Äquivalentbrennweite (fÄ)
berechnet sich dann
| f_Ä = f_primär x ((a / f_Ok) - 1) |
und ergibt sich
damit zu 9000 mm. N ergibt sich damit zu 9000 / 100 = 90 und N2 wird 8100. In
die Formel eingesetzt wird t zu:
| t = (8100 x 1000) / (35 000 000 x 25) = 0.01 Sekunde = 1/100
Sekunde |
Diese
Belichtungszeit ist eindeutig zu lang. Hier schafft Abhilfe: Wahl eines
empfindlicheren Filmes (TP 2415), Verkürzung der Projektionsentfernung (a)
oder Verlängerung der Okularbrennweite. Die beiden letzten
Möglichkeiten ergeben natürlich eine Bildverkleinerung. Soll dies
vermieden werden, muß weniger dicht gefiltert werden.
Ein Tip:
Ist das Sucherbild der Kamera zum Scharfstellen zu hell, schafft in den meisten
Fällen eine dunkle Sonnenbrille Abhilfe.
Wir geben hier noch
K-Faktoren für Protuberanzen, die innere und die äußere Korona
mit dem Hinweis, daß die damit berechneten Anhaltswerte der
Belichtungszeiten noch stärker nach oben bzw. unten abweichen können.
| Protuberanzen |
ca. 100 |
| Die innere Korona |
ca. 25 - 50 |
| Die äussere Korona |
ca. 0.2 - 0.5 |
|
|